Die lange Version

Für alle, die ganz genau wissen wollen, was ich wann, wo und warum gemacht habe. Hier das tswm (too short want more): 

Looping Group

Unsere Arbeit im PowerRoom der Looping Group beginnt damit, die richtigen Fragen an die Data-Scientists zu stellen und aufgrund ihrer Analysen eine grundsätzliche und langfristige Strategie mit übergeordneten Zielen zu entwickeln. Im nächsten Schritt wird diese Strategie für unterschiedliche Zielgruppen und Plattformen angepasst: Was ist der Core-Channel, wie ist die Ansprache, welche Formate brauchen wir, wie messen wir unseren Erfolg, welche Zielgruppen erreichen wir wo?

Im letzten Schritt folgt die redaktionelle Ausarbeitung kreativer Formate und journalistisch durchdachter Konzepte für die Netzwerke, für Video, Podcast, Newsletter und vieles mehr. Der PowerRoom erstellt einen Orchestrierungs- und Ausspielungsplan. Wenn alle diese Prozesse beendet sind, werten unsere Data-Scientists die gesamte Kampagne detailliert aus. Die Erkenntnisse aus ihrer Analyse sind der erste Schritt für die nächste Kampagne. Ich bin in all diesen Prozessschritten als Senior und Head beratend, ausführend und leitend beteiligt.

Spiegel Online

Juni 2016 – Oktober 2017
CvD Audience Development?! What?! Ich erkläre es in einer flotten Minute in diesem Video.

Während meiner Zeit als Chefin vom Dienst bei Spiegel Online machte ich mir Gedanken, wie wir die Nutzer*innen mit unseren Geschichten auf unterschiedlichen Kanälen erreichen können: Welche Art von Videos brauchen wir, welche neuen redaktionellen Formate und welche Dialogmöglichkeiten? Ich habe Hunderte Zeilen A/B-getestet, denn eines ist klar: Für Social Media brauchen wir eine andere Zeile als für die Homepage. Für die Homepage eine andere Aufmachung als im Print, für einen Bezahlartikel einen anderen Teaser als für einen kostenlosen Text. Eine gute Geschichte bleibt eine gute Geschichte. Die Herausforderung: ein und dieselbe Geschichte für verschiedene Kanäle und für unterschiedliche Zielgruppen aufzubereiten. Botschaften nicht zu verändern, aber anders zu erzählen.

In der großen Redaktionskonferenz entschied ich jeden Morgen mit: Welche Geschichten greifen wir mit welchem Dreh und in welcher Erzählweise auf, welche nicht? Der richtige Umgang mit Parteien wie der AfD lag und liegt mir beruflich und persönlich besonders am Herzen. Was ist eine Nachricht, was eine Provokation? Mit welchen Begriffen und in welcher Sprache berichtet man über die AfD, mit welcher Haltung informiert man über diese Partei, wie erreicht man Menschen auf Augenhöhe und stellt Vertrauen in die eigene Berichterstattung her? Wie kann es Medien, Politik und Gesellschaft gelingen, die Dynamiken im Netz nicht den anderen zu überlassen, sondern sie für sich zu nutzen?

Ich arbeitete eng mit dem Social-Media-Team zusammen, trieb den Dialog mit den Nutzern voran und erarbeitete gemeinsam mit der Redaktion Formate wie: Endlich verständlichSpon-Faktencheck oder Leser fragen – wir antworten, um Fake News etwas entgegenzusetzen und in Kontakt mit unseren Lesern zu treten. Ich trieb eine technische Erweiterung im Redaktionssystem voran, die es ermöglicht, für ein und denselben Artikel zwei verschiedene Zeilen zu hinterlegen: eine Zeile, die auf der Homepage erscheint, und eine, die auf den sozialen Kanälen ausgespielt wird. Die Redaktion schulte ich in der Formulierung von Social-Zeilen und hinterlegte meine Thesen mit den Ergebnissen von zahlreichen A/B-Tests. Ich erarbeitete gemeinsam mit dem Data-Team eine Metrik, die den Erfolg eines Artikels über reine Klickzahlen hinaus bewertet.

Mit Torsten Beeck erstellte ich ein Konzept (und begann mit der Umsetzung), wie der gesamte Bereich Audience Development und Neue Plattformen (dazu gehören u.a. Social Media, Snapchat und Podcasts) bei Spiegel Online inhaltlich, strukturell und personell aufgestellt sein muss. Mit den anderen CvDs entwickelte ich Leitfäden für den Umgang mit Donald Trump und der AfD, für Reportereinsätze in Großlagen und Bildsprache auf der Startseite. Um die mediale Wahrnehmung Ostdeutschlands mitzuprägen, habe ich mit dem Reporter Raphael Thelen eine multimediale Reportagereise konzipiert und betreut, das Ergebnis ist die Straße der Träume.

Journalistenschule und Bild.de

Juli 2011 – Juli 2013
Von 2011 bis 2013 besuchte ich die Journalistenschule von Axel Springer in Berlin. Meine Stammredaktionen waren Die Welt und die Berliner Morgenpost. Dort habe ich von der Pieke auf das Handwerk des (Print)Journalismus gelernt: Porträts, Essays, Reportagen und Kommentare schreiben, analog und digital recherchieren, redigieren und Blatt machen. Ich weiß, wie man Geschichten erzählt – egal, ob als Text, Video, Podcast, Blog, Instastory, Facebookbeitrag oder Twitterthread.

August 2013 – 2014
Im August 2013 wechselte ich ins Social-Media-Ressort von Bild.de. Unter der Leitung von Torsten Beeck haben wir damals als erste Social-Media-Redaktion Deutschlands Pionier-Arbeit geleistet. Kein anderes Medienhaus hatte zu diesem Zeitpunkt vergleichbare personelle Ressourcen, um die Social-Media-Aktivitäten so konsequent aufzubauen. Ich war zunächst hauptverantwortlich für den Facebook-Kanal von Bild.de und setzte die inhaltlichen, sprachlichen und strategischen Rahmenbedingungen für unsere Arbeit.

Durch meine operative Arbeit habe ich viel gelernt. Zum Beispiel, wie wichtig es ist, die richtigen Fragen zu stellen: Geht es um Reichweite oder Conversion? Sollen die Nutzerinnen und Nutzer klicken, liken, teilen, kommentieren, gucken oder kaufen? Jede Antwort verlangt unterschiedliche Zeilen, Copys, Teaser, Cliffhanger, Thumbnails, Zitatkarten oder Call-to-Actions. All das habe ich in unzähligen Posts ausprobiert und perfektioniert.

Im Frühjahr 2014 baute ich für Bild.de das Viral-Team auf. Wir brachten das Buzzfeed-Prinzip nach Deutschland, bevor Buzzfeed nach Deutschland kam. Die Herausforderung war, virale Formate zu schaffen, die sich organisch im Netz verbreiten und keine Anbindung mehr an die Homepage brauchen, um erfolgreich zu sein. Internes Ziel: unsere Geschichten in den Top 10 der meist gelesenen Artikel zu platzieren, ohne dass sie jemals auf Bild.de aufgetaucht sind. Es gelang uns regelmäßig. Ich produzierte mit dem Team Listicals, Quizze, Videos, Social News, Identityformate und Kommentare. Ich habe entwickelt, redigiert, ausgespielt und am Ende sogar ein eigenes Ressort auf der Startseite von Bild.de damit befüllt.

2014 – März 2016
Im Herbst 2014 übernahm ich nach dem Weggang von Torsten Beeck gemeinsam mit Andreas Rickmann die Leitung der Bereiche Social Media, Community und New Platforms. Dazu gehörten die Social-Media-Redaktion und das Social-Video-Team, das Communityteam und das Viralteam. Wir trieben den Ausbau des Ressorts voran und die übergreifende Zusammenarbeit mit Data, Entwicklung, Redaktion und Marketing. Was ich aus meiner Zeit bei Bild.de außerdem mitgenommen habe: Redakteure*innen jeden Alters, jedes Ressorts und jeder Hierarchieebene zum Thema Social Media zu schulen, Ängste abzubauen, individuelle Herangehensweisen zu entwickeln und am Ende oft echte und nachhaltige Begeisterung auszulösen. Das alles habe ich bis Frühjahr 2016 gemacht, bevor ich als Chefin vom Dienst zu Spiegel Online wechselte.

Politik

Der vergangene Wahlkampf der SPD hat mich ratlos gemacht. Ich habe ziemlich oft geflucht und gedacht: Was machen die denn da?! Das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz im September 2017 war für mich ein Initiationserlebnis: NIE wieder wollte ich mich so hilflos fühlen. Noch im ICE auf dem Weg von Berlin zurück nach Hamburg überarbeitete ich das Abschlussstatement von Martin Schulz.

Mit dem Kommunikationsstrategen und Politikberater Mathias Richel habe ich einen Podcast aufgenommen. Wir sprachen über das Buch Die Schulz-Story von Markus Feldenkirchen und was die SPD daraus lernen könnte (Spoiler: viel). Bei der Young SOCIALists Media Conference der Jusos im Willy-Brandt-Haus in Berlin hielt ich einen Vortrag darüber, wie man die SPD im Netz wieder likeable machen könnte.
An einem konkreten Beispiel analysierte ich das Kommunikationsverhalten von Christian Lindner (FDP) und was das für andere Spitzenpolitiker bedeuten könnte. Mit meinem Vater (1937 in Berlin geboren) sprach ich darüber, ob der Nationalsozialismus nur „ein Fliegenschiss“ in der Deutschen Geschichte ist (Spoiler: Nein!).

Neben meinem Job bei der Looping Group habe ich angefangen, Politiker*innen bei der Frage zu beraten, wie sie ihren Ziele auch mit Hilfe von strategischen Social-Media- und Plattform-Konzepten näherkommen können. In dieser Arbeit steckt alles, was ich kann: meine journalistische Ausbildung und mein Sprachtalent, meine Erfahrung als Chefin vom Dienst am Newsdesk und als Head of Social Media, meine Expertise im Communitymanagement, meine Kreativität bei der Formatentwicklung, mein Gespür für Themen und virale Mechanismen, meine strategische Stärke und meine Leidenschaft für Politik und Lagen. Ähnlich wie im Journalismus geht es häufig um die Frage: Wie lässt sich ein und dieselbe Botschaft in unterschiedliche virale Narrative übersetzen und welche inhaltlichen Formate bieten sich dafür an?

Roman: Küssen kostet extra

Bis heute habe ich eine besondere Leidenschaft für das geschriebene Wort. Für die Magie von Sprache, die Kraft von Wörtern, das Leuchten eines Textes. Für die große Kunst, im Kopf der Leserinnen und Leser Bilder und Gefühle entstehen zu lassen. Deshalb habe ich 2017 einen Roman geschrieben.  In „Küssen kostet extra“ geht es um Schnaps und Liebe, um Freundschaft und starke Frauen. Dezenz ist Schwäche, schreibt das Hamburger Abendblatt. Stimmt. Gibt es auch bei Audible zum Anhören!

Podcast

Mit dem phantastischen Torsten Beeck habe ich 2016 einen Podcast gemacht. Über Menschen, Tiere und das Internet. „Life is like“ heißt er und man kann ihn bei iTunes oder soundcloud hören.

Arbeitsproben Journalismus