Interview im PR-Report: „Die Leute haben keine Lust auf Parteisprache“

„Wie SPD-Newsroom-Chefin Carline Mohr digitale Kommunikation neu denkt. Über die Lehren aus Rezo, Experimente mit Bots und Messengern und den Kampf gegen Fake News auf Whatsapp.“
Das Interview führte Susanne Lang

Auszüge aus dem Interview, das man hier kaufen kann.

Was haben Sie gegen Zitat-Kacheln?
Gar nichts. Sie ergeben an vielen Stellen Sinn. Aber es ärgert mich, wenn eine Kachel die Antwort auf jede Frage ist. Vor einigen Jahren wa- ren diese Zitate auf Bildern ein guter Weg, um in sozialen Netzwerken auf Inhalte hinzuweisen. Aber die Algorithmen haben sich geändert, nun werden die Vorschauen auf Online-Artikel automatisch angezeigt. Dazu kommt das alte Missver-ständnis, dass Bilder im Netz besser funktionieren als Text. Das stimmt zwar, es geht aber eher um echte Fotos aus dem echten Leben. Keine Kacheln. Der Reflex, sie einzusetzen, vernichtet jede Kreativität. Und wenn man authentischer, menschlicher kommunizieren möchte, muss man festhalten: Normale Menschen schreiben ihre eigenen Sätze nicht auf Kacheln. Wenn einem im Netz Zitate auf Kacheln begegnen, weiß man: Hier postet das Social-Media-Team von xy.

Im August gab es für eine Kachel der SPD-Fraktion anlässlich des Soli-Abbaus auch heftige Kritik. Dort war ein Mann mit Cocktail und Laptop zu sehen, der sich im Liegestuhl sonnt. Dazu die Zeile: „Keine Steuergelder für Spitzenverdiener“. Ist Ihnen das durchgerutscht?
Diese Kachel kam von der Fraktion, ich arbeite für den Parteivorstand. Aber ich weiß, was Sie meinen. Ich hätte eine Frau im Liegestuhl auch besser gefunden.

Brauchen Sie noch Journalisten und Pressesprecher? Die SPD nennt ihren Newsroom zwar nicht mehr Newsroom, sondern spricht von Digitalen Plattformen, aber das ändert ja nichts daran, dass sie ihre Nachrichten selbst verbreitet.
Ich verstehe diese Frage wirklich so sehr überhaupt nicht. Parteien haben schon immer selbst kommuniziert. Den „Vorwärts“ (Zeitung der Partei, Anm. d. Red.) gibt es seit 1876. Jetzt haben wir 2019 und die SPD veröffentlicht nicht nur in ihrer Zeitung, sondern im Internet – come on! Natürlich macht sie das. An der Tatsache, dass wir Journalismus für die Demokratie brauchen, ändert das nichts. Politikerinnen und Politiker müssen gute Politik machen und auf zeitgemäßem Weg Vertrauen für ihre Arbeit gewinnen. Journalistinnen und Journalisten müssen den Job machen, den sie immer gemacht haben: einordnen, aufklären, bewerten. Gleichzeitig müssen sie stärker um das Vertrauen der Menschen kämpfen als früher.

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