Nur für Bulli-Fans: Wie ich mich in einen T3 verliebte

Bulli und Carline

Bulli und Carline

3.500 Kilometer. Einmal von Berlin nach Dubrovnik und zurück. Mit einem T3-Bulli, Baujahr 1990, Dieselmotor. Zugegeben: Ich war misstrauisch. Was spricht gegen einen flotten Mietwagen und ein hübsches Hotel? Trotzdem sagte ich ja. Ich stimmte meine Garderobe auf die Farbe des Bullis ab, verstaute 15 Liter Rotwein unter der Rückbank und stieg ein. Als wir 2 Wochen später zurückkamen, hatte der Bus einen Namen (Benno Bus) und ich war verliebt.

Der dunkelrote T3 hat 72 PS. Das ist ein bisschen so, als würde man mit einem sehr alten Herren spazieren gehen. Der starken Raucherhusten hat. Und nur ein Bein. Den Fehler, an einer Tanke am Berg rauszufahren, habe ich nur genau einmal gemacht:

Man darf es halt nicht eilig haben. Auch nicht, wenn der verdammte Reisebus vor einem freies W-Lan hat.
 

 
Schnelligkeit gehört also nicht zu den Kernqualifikationen des T3. Kein Problem, dachte ich. Dann suchen wir eben einen schönen Stellplatz und genießen die Natur.
 

 
Aber wenn der Bus aus ist und die Sonne scheint, ist es eigentlich ganz schön. Endlich mal wieder Zeit, ein dickes Buch zu lesen. Oder so ähnlich.
 

 
Entgegen meiner Befürchtungen kann man in einem T3 sogar ganz wunderbar schlafen.
 

 
Irgendwann hatte ich mich auch an die Sache mit dem Berg gewöhnt. An das Hupen. An die Reisebusse, die einen überholen. Trotzig zucklen wir über Berge und Autobahnen. Ich fange an, die Zuckelei ganz niedlich zu finden.

 
Und dann kommt der Moment, in dem du anfängst, deinen Urlaub zu lieben. Die Aussicht durch den Seitenspiegel. Das Klicken, wenn du einen neuen Gang einlegst. Den Fahrtwind. Alles.
 

 
Plötzlich bin ich stolz auf den Bus. Auf seine kleinen Macken. Seine Schrammen. Seinen Charakter. Ich winke anderen T3-Fahrern begeistert zu und zeige fremden Menschen ungefragt Fotos vom Bus.  
 

 
Ja, der Bus ist inzwischen mehr als einfach nur ein Bus. Und 500.000 Kilometer sind nicht einfach nur eine Zahl. Sie sind eine Ansage, eine Leistung, eine Trophäe.
 

 
Es ist erstaunlich, aber wahr: Ein Bulli öffnet Herzen. Niemand kann ihm widerstehen. Niemand. 
 

 
Leider gehört uns Benno gar nicht.  Wir haben ihn bei Rent a Bulli in Berlin gemietet. Man hat sich sehr herzlich und persönlich um uns gekümmert. Vielen Dank dafür. 

Die 5 meist gesagten Sätze während der Fahrt: 

  1. Was klappert denn da?
  2. Da passen wir nicht rein.
  3. Du sollst doch nicht schneller als 100 km/h fahren!
  4. ICH FINDE DEN DRITTEN GANG NICHT!!!
  5. Wurden wir gerade von einem Reisebus überholt?!

Ich vermisse Benno. Bei diesem Geräusch bekomme ich immer noch Herzklopfen. Aber das verstehen wahrscheinlich nur echte Bulli-Fans.  

 

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Als ich 18 war, haben wir uns den Traum eines eigenen Busses erfüllt. Fünf Jahre hat uns die Lady begleitet und das Leben bereichert. Fast jeder Urlaub hat mit dem ADAC geendet. Jeder Urlaub hatte spannende Anekdoten gebracht. Irgendwann ist die Lady zum nächsten Begeisterten weiter. Derzeit ist kein Platz für einen Bus. Aber irgendwann muss wieder einer kommen. Danke für das Wecken der Erinnerung!

    Lächeln aus Stuttgart, Fabian

  2. Sehr gut. Ich habe mich vom T4 zum T5 hochgearbeitet – ich brauche den wirklich, und er ist meistens voll (nicht mit Rotwein, aber mit Familie). Ich schlage mal den Kontrast zum selber ausprobieren vor. Ist so ein bisschen als hätten sie Steroide und TNT in einen T3 getankt.

  3. Herrliche Schilderung!
    Zu Urzeiten hatten wir mal über den Winter einen Bus selbst ausgebaut. Es war das letzte „runde“ Bulli-Modell. Leider wollte unser Sohn, als er noch ganz klein war, nicht darin schlafen, deshalb wurde er verkauft. Ich trauere ihm heute noch nach. Ich habe noch ein Bild , das werde ich „schmarsten“ demnächst zeigen.

  4. Wir waren gerade mit unserem betagten (95er) T4 in Andalusien. 8000 km. Den ADAC brauchten wir auch zweimal, aber nur um uns bei leerer Batterie beim Starten zu helfen (Batterie ist inzwischen getauscht). Urlaub im Bulli (egal ob T1, 2, 3, 4 oder 5) ist eine Lebensart. Ich liebe es! Wann geht es endlich wieder los …
    Gruß aus Weimar

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