Der einzige wahre Trick gegen Arschloch-Monster unterm Bett

20.00 Uhr. Niki sitzt im Schlafanzug auf dem Sofa und will nicht ins Bett. Opa ist genervt. Er will in Ruhe Tagesschau gucken.

Niki: Tante Carline?
Carline: Ja?
Niki: Was ist denn, wenn heute Nacht wieder die Monster kommen?

Carline: Welche Monster?
Niki: So GANZ große!
Opa (schnaubt): So ein Unfug. Es gibt keine Monster!
Niki: Dooch! Die waren schon mal da und haben sich versteckt. Unterm Bett. Und im Schrank. Die waren riesig groß und wollten mich fressen!!
Carline (schielt nach dem Weinglas): Die kommen heute bestimmt nicht.
Niki (den Tränen nahe): Und wenn doch???
Opa: Jetzt ist aber Schluss. Ab ins Bett. Es gibt keine Monster.

Niki fängt an zu weinen.

Carline: Eigentlich gibt es doch Monster. Und jeder kennt die. Der Opa hat auch Monster. Die sind aber bei Opa nicht unterm Bett, sondern im Kopf.
Niki: Waaas?! Im Kopf? Was machen die da?
Carline: Opas Monster sehen gar nicht aus wie Monster. Die sind besonders gefährlich. Sie heißen Herr Angstmonster und Frau Traurigmonster und kommen, wenn es dunkel ist und man schlafen will.
Niki: Armer Opa.
Carline: Ja, armer Opa. Deshalb hat Opa auch mal eine Zeit lang so viel Alkohol getrunken. Weißt du noch?
Niki: Ja, das war blöd. Stimmt das mit den Monstern im Kopf, Opa?
Opa seufzt. Hmja.
Niki: Und mit dem Alkohol sind die weggegangen?
Opa seufzt wieder. Leider nein. Man sieht sie aber nicht so doll.
Niki: Man sieht die Monster nicht?
Opa: Es ist eher so, als würde man eine sehr dunkle Sonnenbrille tragen. Durch die Sonnenbrille sehen die Monster nicht so gefährlich aus.
Niki: Aber die sind die ganze Zeit da?
Opa: Ja.
Niki: Wie gruselig.
Opa: Ja.
Niki: Ist es nicht besser, wenn man die sieht, damit man sich besser wehren kann?
Opa: Absolut. Du bist ein schlaues Kind. Komm wir bringen dich jetzt ins Bett.
Niki: Neeeiiiiiiinnnnn!!!!
Carline: Ich verrate dir einen Trick gegen Monster. Aber den darfst niemandem verraten.
Niki: Okay.

Carline: Mit den Monstern ist es wie mit Hunden. Die riechen es, wenn du Angst hast. Und kleine Kinder mit viel Angst mögen die Monster besonders gerne.
Niki: Ich bin gar nicht klein!
Carline: Genau. Und vor allem bist du viel schlauer als die Monster. Wenn du denen nicht zeigst, dass du Angst hast, haben die keine Lust mehr, dich zu erschrecken und verschwinden wieder.
Niki: Hmmmm. Und wenn ich aber doch Angst habe?
Carline: Du darfst so viel Angst haben, wie du willst. Die sollen das nur nicht merken.
Niki: Und wie mache ich das?
Carline: Du weißt doch, welches Wort du nicht sagen darfst?
Niki (flüsternd): Arschloch?
Carline: Ja. Aber zum Monster darfst du das sagen.
Niki: Ja??
Carline: Ja. Ganz laut. Du darfst sogar sagen: Verpiss dich, Du Arschloch-Monster. Ich habe gar keine Angst vor dir.
Niki: Arschloch-Monster, Arschloch-Monster, Arschloch-Monster!!

Opa seufzt.

Niki: Und dann hauen die ab?
Carline und Opa: Jaaa!
Niki: Versprochen?
Carline: Versprochen. Je mehr Angst du hast, umso größer werden die Monster.
Niki: Und ich darf wirklich Arschloch-Monster sagen?
Opa: Ja. Aber nicht der Mama erzählen. Das ist ja unser Geheimnis. Und jetzt geh Zähne putzen.

Niki geht Zähne putzen. Als er wieder kommt, ist Opa auf dem Sofa eingeschlafen und schnarcht.

Niki: Tante Carline?
Carline: Ja?
Niki: Kann ich mal deine Sonnenbrille haben?
Carline kramt ihre Sonnenbrille aus der Handtasche: Was willst du damit?
Niki: Die setzen wir jetzt dem Opa auf, damit er die Monster nicht so dolle sieht. Und wir passen für ihn auf. Und wenn die Monster kommen, sage ich: Verpisst euch, ihr Arschloch-Monster, der Opa will schlafen!

20:55 Uhr: Opa schnarcht und hat eine Sonnenbrille auf der Nase. Niki liegt an seiner Schulter und schmatzt im Schlaf. Ich trinke einen Schluck Wein und gucke unters Sofa. Sicherheitshalber.

„Denkt nicht mal dran“, murmle ich. „Hier hat wirklich niemand Angst vor euch.“

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr schöne Variante. Bei uns hilft Paula – unsere kräftige Boxerhündin – als Gesellschaft im Bett. Neulich fragte mein

    Sohn (5): „Papa, was macht Paula wenn Geister kommen?“
    Ich: „Sie verjagt sie.“
    Sohn: „Paula kann sie doch nicht beißen, die bestehen aus Luft.“
    Ich: „Ja, das stimmt. Wenn sie aus Luft sind können sie dir allerdings auch nichts tun.“
    Sohn: „Ok, ich möchte trotzdem nicht, dass sie da sind.“
    Ich:“Du bist jetzt alt genug. Ich erkläre dir, warum in unser Haus keine Geister kommen können.“
    Sohn:“Oh ja, wieso?“
    Ich:“Am Anfang des Jahres kommen immer Kinder zum Singen her, die schreiben mit Kreide über unsere Tür, erinnerst du dich?“
    Sohn:“Ja, die Sternsinger.“
    Ich:“Genau, die bringen Gottes Segen auf unser Haus, an diesem Siegel können die Geister nicht vorbei.“
    Sohn:“Und wenn die nicht an Gott glauben?“
    Ich:“Für die haben Mama und ich uns etwas besonderes ausgedacht. Willst du wissen was?“
    Sohn:“Was denn?“
    Ich:“Liebe. Wir lieben dich und die liebst uns, deine Schwestern und Paula. Soviel Leibe mögen die anderen Geister nicht, die trauen sich da nicht rein.“
    Sohn dreht sich auf die Seite und schläft ein.

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