Tante Carline?
Was ist Liebeskummer?

Niki (5) und ich liegen im Wohnzimmer auf dem Fußboden und malen. Wir haben einen Deal: Wir hören drei Liedern von Rolf Zuckowski, dann darf ich eins von den Ramones anmachen. Opa ist einkaufen. Ich bin ein bisschen traurig.

 

Tante Carline? Was ist eigentlich Liebeskummer?
Liebeskummer ist, wenn man jemanden vermisst, der nicht mehr zurück kommt.

Warum kommt der nicht mehr zurück?
Das ist manchmal einfach so. 

Dann macht man immer SOOO, oder? (Wedelt wild mit den Händen.)
Ja?

Ja. Als der Freund von Mama nach Kassel gezogen ist, haben wir am Bahnhof gestanden und gewunken. Und Mama hat geweint.
Gewinkt.

Ok. Wir haben ganz lange gewinkt. Sogar, als der Zug schon weg war. Hast du auch gewinkt?
Ja, aber eher so innerlich.

Du meinst im Bauch? Hahaha! Sitzt da bei dir jemand drin und winkt?
Ja so ähnlich. Eigentlich winkt das Herz. Und das hört manchmal nicht auf, obwohl der Zug längst abgefahren ist.

Und dann ist man traurig?
Ja. Und alles tut weh. Liebeskummer ist ein bisschen wie krank sein.

Möchtest du noch ein Stück Schokolade?
Ja bitte.

Läuft in die Küche und holt einen Kinderriegel. Nach sehr langem Überlegen schiebt er mir das große Stück mit den drei Milchkammern zu.

Aber wenn man krank ist, wird man doch irgendwann wieder gesund?!
Ja. Meistens.

Ich hasse es, krank zu sein.
Und ich hasse Liebeskummer.

Opa kommt nach Hause.

„Opa, Opa, die Tante Carline hat Liebeskummer und in ihrem Bauch sitzt jemand und winkt, obwohl da gar kein Zug ist und das fühlt sich an wie krank sein und wir haben ganz viel Schokolade gegessen!“

Opa lacht. 

Na dann habt ihr doch alles richtig gemacht!

 

10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Was ist Liebeskummer? | Bubbles Blog

  2. Ach Frau Mohr , auch das geht vorrüber….

    Das wächst sich raus ….

    Und wenn sie erst mal geheiratet haben …

    Tstssss ……

  3. „… da habe ich ihr zugewunken.“
    „Du hast ihr zugewinkt.“
    „Bist du sicher?“
    „Japp.“
    „Aber es heißt doch auch ‚gestunken‘. Also bei ’stinken‘. Dann muss es doch bei ‚winken’…“
    „Es heißt aber auch ‚er stank‘.“
    „Ja und?“
    „Mach das mal mit ‚winken'“.
    „Was? Heißt es etwa auch ‚er wank‘ und nicht ‚er winkte‘?“
    „…“

    Du bist die allererste, die ich „kenne“, die das Wink-Wunk-Paradoxon öffentlich anprangert. Das macht mich gerade etwas glücklich! Ich hatte schon an mir gezweifelt…

  4. Pingback: Die Sache mit dem Winken | Hej!

  5. Ich habe soviel Freude beim Lesen ihrer Beiträge – vielleicht gebe ich eine kleine Facette zurück. Mein Sohn hat mit fünf Jahren keinen Gedanken an Liebeskummer verwandt, sein soziales Engagement war und ist auch heute noch eher moderat. Sein Herz schlägt für die Zahlen. Auf einem Spaziergang schaute er nach längerem Schweigen zu mir auf und fragte: „Papa, gibt es eine größte Zahl?“ Was antwortet man einem Fünfjährigen auf eine solche Frage? Mein Schweigen von einigen Sekunden führte zu einer erstaunlichen Antwort: „Ich glaube nicht, denn wenn es eine größte Zahl gebe, was ist wenn ich eins weiterzähle?“ Mein Schweigen dauerte an und tief in meinem Herzen klang eine Seite, hell und dunkel zugleich. Ich liebe dich mein Sohn. Wie wundervoll zu sehen, wie deine Gedanken so leicht und frei in die Welt der Zahlen eindringen, ich habe dir etwas Schönes geschenkt. Traurig bin ich dennoch, dein Herz ist wie das meine, wie ein Blinder der das Sonnenlicht nicht sehen kann. Ich habe dir etwas Schlimmes geschenkt.

  6. Ja, das mit dem Nachwinken aus dem Bauch, auch wenn der Zug schon gar nicht mehr zu sehen ist kenne ich. Ist mir erst letztes Jahr mal wieder passiert. Ich denke aber gern daran zurück. Ist doch ein schönes Zeichen, wenn man spürt, dass da jemand sehr Aufmerksames im Bauch sitzt und spüren lässt, dass einem jemand etwas bedeutet und man sich ihm (oder ihr) doch ein bisschen mehr verbunden fühlt als manchen Anderen. Liebeskummer ist natürlich ’ne etwas heftigere Angelegenheit. Aber auch hier: Im Rückblick möchte ich meine Erfahrungen damit nicht missen. Auch nicht das Überraschende, das sich – wenn manchmal auch erst nach Jahren – daraus glücklich entwickeln kann.

    Glückwunsch, Carline, zu Deinem mit fünf Jahren schon so reifen L-Kummer-Coach!

    • Vielen Dank, Lieblingswolf! Ich bin auch froh, so weise und lustige Berater zu haben. Da ist sogar Liebeskummer halb so schlimm.

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