PolitikerInnen brauchen keine Social-Media-Strategie

Die Überschrift ist natürlich Quatsch, klar brauchen PolitikerInnen eine Social-Media-Strategie. Das ist aber zu wenig, viel zu wenig. Es geht nicht darum, dass man einen TV-Spot auf 1:1 zuschneidet, damit er bei Facebook besser funktioniert. Oder dass man ein hübsches Design für Zitatkarten entwickelt, auf die man dann Dinge schreibt, die irgendwie likable klingen. Das ist alles super, aber es ist keine Social-Media-Strategie. Es geht auch nicht darum, dass bei Instagram die Jungen sind, bei Facebook Alle und bei Twitter die JournalistInnen und man deshalb nicht auf jedem Kanal exakt dasselbe tun sollte. Natürlich sollte man das nicht. Das ist aber noch keine Kommunikationsstrategie.

Social Media beginnt in dem Moment, in dem eine Rede geschrieben wird, die viral gehen soll. In dem ein Name für einen Reformvorschlag gesucht wird, den Menschen intuitiv und gerne nutzen. In dem PolitikerInnen einen Hausbesuch bei Familie Müller-Lüdenscheidt machen und mehr Menschen etwas davon haben sollen, als Familie Müller-Lüdenscheidt. Es beginnt in dem Moment, in dem eine Wahlkampagne geplant wird und die inhaltlichen und kommunikativen Leitplanken festgelegt werden: Was ist unsere Vision, unser Ziel, wen wollen wir erreichen, wie soll die KandidatIn dabei wirken? Weiterlesen →

„Sag mal Papa, ist Hitler nur ein Fiegenschiss in der deutschen Geschichte?“

Der Parteivorsitzende und Chef der Bundestagsfraktion der AfD Alexander Gauland hat in einem Grußwort an die AfD-Jugend gesagt:

„Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte. Wir haben eine ruhmreiche Geschichte – und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre.“

Mein Vater ist fast 81 Jahre alt. Er ist ein Kriegs- und ein Nachkriegskind. Ich glaube, dass bei der Bewertung von aktuellen rechten Entwicklungen die Meinungen von Zeitzeugen unersetzbar sind. Kaum etwas ist so unmittelbar, so echt und so berührend wie die Worte von jemanden, der erlebt hat, was Nationalsozialismus bedeutet. Die Zeitzeugen werden weniger. Wir müssen mit ihnen reden, so lange es noch geht. Deshalb habe ich meinen Vater gefragt, was er von Gaulands Äußerungen hält. Das ganze Video gibt es bei den gespeicherten Storys auf Instagram. (Ihr müsst angemeldet sein. Ihr müsst mir folgen. #sorrynotsorry)

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Warum Christian Lindner unfassbar clever kommuniziert

Auf dem FDP-Parteitag am 12. Mai sorgt sich Christian Lindner darum, wer in der Schlange beim Bäcker neben ihm steht. Woher soll man schließlich wissen, ob es der intelligente Entwickler aus Indien ist oder nur ein illegaler Ausländer. Warum Lindner kein Rassist, diese Aussage aber hochproblematisch ist, wird hier analysiert. Was er damit (wahrscheinlich) eigentlich sagen wollte, erklärt Stefan Kuzmany von Spiegel Online hier.

Mich ärgert vor allem, wie brillant Christian Lindner sich zum Sender seiner Botschaften macht. Er rechtfertigt seine Äußerungen auf dem Parteitag nämlich erstmal selbst: mit einem Video bei Twitter und Facebook. Während andere Politiker darauf warten, dass sich die Tagesschau oder der Spiegel bei ihnen meldet, redet Lindner einfach mit den Leuten im Internet. Warum das so clever ist und mich unfassbar aufregt, erkläre ich hier in meinen instagram-Stories. Wer ernsthaft nicht dort angemeldet ist, kann den Rant auch bei Facebook sehen (hier ist aber die Tonspur verrutscht).

Was die SPD aus der „Schulz Story“ lernen kann

Der Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen hat ein Buch geschrieben. „Die Schulz Story“ heißt es und es ist ein Rückblick auf einen katastrophalen Wahlkampf, eine Chronologie des Scheiterns, ein menschliches Drama. Man leidet mit Martin Schulz, mit der SPD und hat immer wieder – 314 Seiten lang – das Gefühl: vielleicht hätte diese Wahl ganz anders ausgehen können.

Mit dem ehemaligen Geschäftsführer der Werbeagentur Jung von Matt Matthias Richel habe ich im Podcast darüber gesprochen, was die SPD ganz konkret aus diesem Buch lernen könnte. Wieviel Transparenz darf und sollte ein Politiker heute zeigen? Wann sind Umfragen King und wann sollte man vielleicht einfach mal auf sein Bauchgefühl hören? Und welche Art von Vision braucht ein Politiker? Hier bei Soundcloud und hier bei itunes.

Mein Vater ist 80 Jahre alt und hatte ein Date. Ich war dabei und es war zauberhaft

Mein Vater ist  80 Jahre alt und ziemlich großartig. Hier zum Beispiel erzählt er, wie er 1952 aus einer Zinkbadewanne ein Segelboot gebaut hat. Und hier hat er 2015 im Video erzählt, warum Flüchtlinge in Deutschland verdammt nochmal willkommen sein sollten.

Seit ein paar Monaten arbeitet in dem Café unter seinem Haus eine ältere Dame, die ihm gut gefällt. Sehr gut sogar. Als ich Papa zu Weihnachten ein Spiegel-Abo schenkte, wollte er das Geld lieber in bar haben. Damit er den Spiegel in ihrem Café kaufen kann.

Gestern hat er die Dame zum Abendessen eingeladen und ich sollte dabei sein. Ich habe mitgeschrieben. Weil ich es schön finde, dass ein richtiges Date mit 80 Jahren noch genauso aufregend, verunsichernd und zauberhaft ist, wie alle Dates dieser Welt es sein sollten. Looking at you, tinder-Kids! Natürlich habe ich ihn gefragt, ob ich das aufschreiben darf. Und vielleicht heißt Gülistan in Wirklichkeit ganz anders. Weiterlesen →

Konfetti und Glitzerpapier

Herzliche Grüße vom hübschen Fuchs soll ich ausrichten.

Seid netter zu Menschen, die es verdienen, sagt sie. Lasst euch nicht irre machen von Arschlöchern. Ihr sollt öfter küssen, wenn ihr es könnt! Und weniger müssen, wenn ihr nicht wollt. Lacht laut, auch wenn ihr alleine seid. Tanzt peinlich, auch wenn jemand dabei ist. Trinkt keinen billigen Fusel und wartet nicht auf den richtigen Moment, brennt, rennt, flennt, fasst euch das verdammte Herz und schmeißt es in die Luft wie Konfetti oder Glitzerpapier. Was soll schon passieren, wir sind alle zum letzten Mal hier.

Sagt der Fuchs. Kluger Fuchs. Fröhliche Weihnachten!

Roadtrip durch Italien – Girlpower, Kotfontänen und viel Amore

Wir sitzen hier nur so rum und sehen hübsch aus

Wir sitzen hier nur so rum und sehen hübsch aus

Ich spreche kein Wort Italienisch, habe einen Orientierungssinn von hier bis zur nächsten Wand, bin frisch getrennt und war noch nie alleine im Urlaub. Was könnte schief gehen? Für die Reisereporter habe ich ein Roadtriptagebuch geschrieben. Über Rotwein und Raststättenromantik, Freiheit und Fahrzeugkontrollen und vor allem über: einfach mal keine Angst haben. Weiterlesen →

Gegen Hass im Netz: Der perfekte Anti-Troll

Im Juni hat der Bundestag ein Gesetz gegen Hasskriminalität im Internet beschlossen, das Netzwerkdurchsetzungsgesetz.  Der Umgang mit Hass und Hetze ist Thema in den Medien, in der Politik, in Stiftungen, Universitäten und bei Konferenzen. Es wird über Sinn und Unsinn des Gesetzes diskutiert, über die Verantwortung der Plattformen, der Nutzer, der Redaktionen und der Zivilgesellschaft.

Ich bekomme ständig Anfragen, auf irgendeinem Panel darüber zu sprechen, was man gegen Hass und Hetze im Netz machen kann. Endlich habe ich eine gute Antwort – die beste vielleicht: Wir brauchen mehr Menschen wie Wolf Melzer. Er ist pensionierter Lehrer und vor 56 Jahren aus der DDR geflohen. Im Schnitt kommentiert er täglich sechsmal in einschlägigen Onlineforen. Ich habe ihn getroffen. Er ist der perfekte Anti-Troll. Den ganzen Text gibt es auf Spiegel Online, hier.