Eine Fahrt ins Blaue

(Diese Kolumne ist im Original erschienen bei www.caramia.de, genau hier.)

Manchmal bekomme ich beim Autofahren Herzklopfen. Wenn vor mir nur Himmel und Ferne sind und die untergehende Sonne dieses schräge Licht auf den Asphalt wirft. Wenn im Radio Van Morrison läuft, der Wind durch das geöffnete Fenster rauscht, wenn es nach Sommer und Freiheit riecht. Dann kommt dieses Gefühl: Dass alles möglich ist. Weiterlesen

Schweinkram an Silvester

„Wenn ich mit den Schuhen laufen kann, kann ich mit den Schuhen auch fahren!“ behaupte ich und gebe extra viel Gas. Der Motor heult, von den Reifen spritzt Schlamm. Das Auto bewegt sich keinen Millimeter. Wir sitzen fest. Im Graben. Im Nirgendwo in Brandenburg. Es ist Silvester kurz vor halb elf, bis zur Party sind es noch gute 20 Kilometer. Tom meint, dass ich wegen meiner Plateau-High-Heels nicht schnell genug auf die Bremse treten konnte und deshalb aus der Kurve in den Graben geschlittert sei. Weiterlesen

Warum Taxi fahren glücklich macht

„Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.“ Das hat der Literaturkritiker Reich Ranicki mal gesagt. Daran denke ich, als ich in der Morgendämmerung auf dem Bürgersteig sitze. Meine Wimperntusche ist verschmiert. Wahrscheinlich sehe ich aus wie die Horrorversion eines Zirkusclowns oder der Sänger von „The Cure“. Wenn nur endlich ein Taxi vorbeikäme. Dem Fahrer wäre es sicher egal.

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Ohne Navi – Lost in Brandenburg

In der Zeit, die ich damit verbracht habe, mich restlos zu verfahren, hätte ich es locker einmal von Berlin nach München geschafft. Zu Fuß. Mein guter Freund Henning sagt immer: „Carlinchen, machen wir uns nichts vor. Dein Orientierungssinn geht von hier bis zur nächsten Wand.“ Das stimmt leider. Und leider gehört das auch zu den Dingen, die man durch pures Wollen nicht ändern kann. Ist wie mit Rhythmusgefühl oder gutem Geschmack – hat man oder hat man nicht. Weiterlesen

Warum mein Vater lieber über Autos als über Frauen redet

„Ein echtes Prachtstück!"

„Ein echtes Prachtstück!”

Mein Vater ist 1937 in West-Berlin geboren. Kurz nachdem die letzten Bomben auf die Stadt fielen, hat er seine Ausbildung als Kfz-Mechaniker begonnen. Er war einige Male verheiratet und hat sich noch öfter das Herz brechen lassen. Und er hat so ziemlich jedes Auto gefahren, bei dem ein Mann Gänsehaut bekommt.

Den größten Gefallen, den man meinem Vater machen kann: auf ein vergilbtes Foto an der Wand zeigen und fragen: „Was ist das noch mal für ein Auto?“ Dann zündet mein Vater sich mit glänzenden Augen eine Zigarette an und beginnt mit den Worten: „Das war ein echtes Prachtstück …”

Am liebsten erzählt er die Geschichte von dem Adler Trumpf Junior, der ihm Mitte der 50er bei der Eroberung dieser blonden Zahnarzthelferin helfen sollte („auch so ein Prachtstück“). Doch nur wenige Meter hinter der Vorstadtvilla ihrer Eltern, die strengen Blickes auf dem Balkon stehen, kracht der Adler zusammen. Achsenbruch.

Der Unterboden knallt auf die Straße, die Räder klappen nach außen. Mein Vater lacht. Das Ding hätte genauso gut brennend in einen Abgrund rollen können, an dessen Ende eine Dynamitfabrik steht. „Nüscht zu machen.“ Die Blonde aber klatscht in ihre zarten Zahnarzthelferinnenhände und flötet: „Jetzt mach doch was! Du hast das doch gelernt?!“ Es ist nie was geworden aus den beiden.

Den Rest der Geschichte gibt es bei www.caramia.de und zwar genau: HIER.

Foto: Anja Bleyl

„Anders als die anderen Kinder“

Hätte ich im Studium Tina nicht kennen gelernt, würde ich heute vermutlich deutlich weniger Rotwein und Kaffee trinken. Ich würde nicht rauchen und hätte keine Ahnung, was „Nuttentampons“ sind. Allerdings hat Tina mich auch durchs Studium gepaukt. Sie ist nämlich viel schlauer als ich. Und ehrgeiziger. Ihr leidenschaftlicher Lebensstil hat sie nie davon abgehalten, Höchstleistungen zu bringen. Von Tina habe ich gelernt, nicht weniger als mein Bestes zu geben. Niemals verloren zu gehen.
Typischer Satz: „Mach den Wein auf, wir müssen über Liebe reden.“
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New York State Of Mind

Waiting for Mr. Big

Waiting for Mr. Big

Städtereisen haben für mich den gleichen Reiz wie die Entfernung sämtlicher Weißheitszähne bei örtlicher Betäubung. Zu anstregend, zu laut, zu viele fremde Menschen – zu verbissen. Dann kam New York. Und diese verdammte Treppe. Ich habe mich ein bisschen reinverliebt in die Stadt und in den Zauber der ewigen Frage: Can you make it there? Weiterlesen