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	<title>Mohrenpost</title>
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	<description>Blog von Carline Mohr</description>
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		<title>New York State Of Mind</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Jun 2013 10:07:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carlinemohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mohrenpost]]></category>
		<category><![CDATA[Carrie Bradshaw]]></category>
		<category><![CDATA[Carrie-Treppe]]></category>
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		<description><![CDATA[Städtereisen haben für mich den gleichen Reiz wie die Entfernung sämtlicher Weißheitszähne bei örtlicher Betäubung. Zu anstregend, zu laut, zu viele fremde Menschen – zu verbissen. Dann kam New York. Und diese verdammte Treppe. Ich habe mich ein bisschen reinverliebt &#8230; <a href="http://www.mohrenpost.de/2013/06/11/new-york-state-of-mind/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2329" class="wp-caption aligncenter" style="width: 594px"><img class="size-large wp-image-2329" title="Waiting for Mr. Big" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2013/06/1-1024x682.jpg" alt="Waiting for Mr. Big" width="584" height="388" /><p class="wp-caption-text">Waiting for Mr. Big</p></div>
<p>Städtereisen haben für mich den gleichen Reiz wie die Entfernung sämtlicher Weißheitszähne bei örtlicher Betäubung. Zu anstregend, zu laut, zu viele fremde Menschen – zu verbissen. Dann kam New York. Und diese verdammte Treppe. Ich habe mich ein bisschen reinverliebt in die Stadt und in den Zauber der ewigen Frage: Can you make it there? <span id="more-2264"></span></p>
<p>Die Sonne ballert ihre Hitze in die Hochhäuserschluchten, als blieben ihr dafür nur noch diese letzten Maitage. Staub auf breiten Bürgersteigen, gelbe Taxis und malerische Feuerleitern, überall Brücken und qualmende Hotdogstände. Das Verrückte ist: Es fühlt sich wie selbstverständlich an, fast vertraut. Auf jeden Fall weniger exotisch als Bielefeld-Ost oder das Bräurosl-Zelt auf dem Oktoberfest. Vielleicht, weil es so viele Lieder über New York  gibt, so viele Filme, so viele Geschichten. </p>
<p>Ich habe es weder zur Freiheitsstatue geschafft, noch auf das Empire State Building. Ich habe keine Stadtrundfahrt gemacht und keine Kanutour im Central Park. Nicht mal eine Postkarte habe ich mitgenommen. Sorry New York.</p>
<p>Aber diese Treppe, die musste ich unbedingt sehen. Alle sechs Staffeln lang hing ich den Mädchen von Sex And The City an den Lippen. Habe Cosmopolitan getrunken, mit großen Augen vor unbezahlbaren Manolo Blahniks gestanden und meine Freundinnen in zwei Lager eingeteilt – Team Aidan oder Mr. Big?</p>
<p>In all den Jahren immer mit dabei: <a title="SexAndTheCity-Tour" href="http://www.zeit.de/2008/14/Sex-Tour-New-York" target="_blank">Diese Treppe</a> irgendwo in Manhattan. Hier hat Carrie gewartet und geraucht, geweint und geküsst. Für mich steht die Treppe genauso für New York wie die mächtigen Wahrzeichen der Stadt.</p>
<p><strong>Im Herzen frei</strong></p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-medium wp-image-2333 aligncenter" title="Freiheit!" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2013/06/freiheit-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></p>
<p>Die Klimaanlagen sind zu kalt, das Bier zu teuer und mit einer brennenden Zigarette wird man angeschaut, als trüge man ein Osama-bin-Laden-Fantrikot. Die Dollarscheine sehen alle irgendwie gleich aus, die Straßen haben Zahlen statt Namen und gibt man dem Kellner zu wenig Trinkgeld, könnte man auch gleich mit Ketschup FUCK YOU auf den Teller schreiben.</p>
<p>Und trotzdem ist New York eine Stadt, die „Ja“ sagt: „Ja, du bist hier willkommen. Ja, komm näher, trau dich. Jaja, wir kriegen das schon alles irgendwie hin.“ Keine Ahnung, warum das so ist. Vielleicht, weil New York mal versprochen hat, all das zu bieten, wonach Menschen sich sehnen: Freiheit, Arbeit, Heimat. Die Hoffnung, dass es stimmen könnte, hängt bis heute in jeder Ecke dieser Stadt. Klingt pathetisch? Nun, New York IST pathetisch.</p>
<p>Vielleicht ist die Carrie-Treppe für junge Frauen deshalb so wichtig, weil sie eine Art Freiheitsstatue der Herzen ist. Weil auch sie ein Symbol darstellt. Für das Hoffen und Zweifeln, das Scheitern und Ankommen. Ein Symbol für den alltäglichen Kampf in einer Welt, in der es nicht ums blanke Überleben geht. Sondern um die Sehnsucht nach Glück, Freundschaft und Liebe. Und weil auch sie, als Antwort auf die ewige Frage, das Versprechen birgt: Am Ende wird alles gut.</p>
<p><em>Das wunderbare Titelfoto ist wie immer von der wunderbaren</em> <a title="Anja Bleyl" href="http://anjableyl.de/" target="_blank">Anja Bleyl</a>.</p>
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		<title>Warum Männer nicht über lustige Frauen lachen wollen</title>
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		<pubDate>Sat, 25 May 2013 20:06:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carlinemohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mohrenpost]]></category>

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		<description><![CDATA[Frauen suchen Männer mit Humor, und Männer suchen Frauen mit schlanken Beinen. Dieses Klischee ist so verstaubt, wie der Scotch in Don Drapers Minibar. Trotzdem prägt es uns bis heute. Männer wollen nämlich eigentlich gar nicht über Frauen lachen. Männer &#8230; <a href="http://www.mohrenpost.de/2013/05/25/warum-manner-nicht-uber-lustige-frauen-lachen-wollen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2255" class="wp-caption aligncenter" style="width: 594px"><a href="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2013/06/Carline_kleinerDrei_Foto.jpg"><img class="size-large wp-image-2255" title="Witz komm raus" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2013/06/Carline_kleinerDrei_Foto-1024x673.jpg" alt="Witz komm raus" width="584" height="383" /></a><p class="wp-caption-text">Witz komm raus</p></div>
<p>Frauen suchen Männer mit Humor, und Männer suchen Frauen mit schlanken Beinen. Dieses Klischee ist so verstaubt, wie der Scotch in Don Drapers Minibar.</p>
<p>Trotzdem prägt es uns bis heute. Männer wollen nämlich eigentlich gar nicht über Frauen lachen. Männer wollen Frauen zum Lachen bringen. Es gilt das Prinzip des Jagens und Eroberns. Und wer witzig ist, der jagt. <span id="more-2253"></span></p>
<p>Schuld an dieser Situation sind sicher nicht nur die Männer. Denn viele Frauen bemühen sich oft gar nicht erst, besonders witzig zu sein. Jahrzehntelang gehörte das eben zum guten gesellschaftlichen Ton.</p>
<p><strong>Es geht um immer dieselben Machtspielchen</strong></p>
<p>In den Benimmanleitungen der 60er Jahre kann man nachlesen: „<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/a-527056.html" target="_blank">Die Dame halte sich bei Tisch mit der Darbietung von Scherzen zurück</a>“. Und Oscar Wilde formulierte es noch deutlicher: <a href="http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/2728/3" target="_blank">Wit in a woman is the end of any romance</a> – Frauen mit Humor sind das Ende aller Romantik.</p>
<p>Das klingt zwar veraltet, aber ganz ehrlich: Seit den großen Zeiten von Wilde und Knigge hat sich offenbar nicht allzu viel verändert. Selbst die Forschung ist sich einig, <a href="http://www.welt.de/wissenschaft/article11803745/Beim-Lachen-geht-es-um-Sex-Macht-und-Gemeinschaft.html" target="_blank">dass Lachen etwas mit Status zu tun hat. Und mit Macht</a>. Genau hier liegt vielleicht das Problem.</p>
<p><strong>Macht:</strong> Bei einem ehrlichen und unverstellten Lachen geben wir Kontrolle ab. Es ist wie Niesen oder Gähnen: <a href="http://www.welt.de/wissenschaft/article12369547/Hirnforscher-erkunden-die-vier-Arten-des-Lachens.html" target="_blank">Eine körperliche Reaktion, die wir nicht unterdrücken können</a>. Und es bedeutet im Umkehrschluss: Wenn ich jemanden zum Lachen bringe, habe ich für einen kurzen Moment Macht über ihn.</p>
<p><strong>Status:</strong> Humor ist ein Indikator für Intelligenz. Gerade der feinsinnige Humor erfordert ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen und Bildung. Ist jemand witzig, ist er wahrscheinlich auch schlau und hat einen hohen Status.</p>
<p><strong>Männliche Comedians haben es in Deutschland leichter</strong></p>
<p>Sieht man Humor als Ausdruck von Macht, untergräbt eine offensiv lustige Frau den Mann in seiner Rolle als „starkes Geschlecht“. Damit trifft sie den Mann im Kern dessen, was ihm seit Generationen das Gefühl von Überlegenheit vermittelte.</p>
<p>Denn lange Zeit galt in vielen gesellschaftlichen Bereichen: <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/neue-studie-frauen-haben-ein-viel-moderneres-maennerbild-1.658382" target="_blank">Der Mann braucht einen hohen Status</a>, Macht und Geld, um respektiert zu werden. Die Frau sollte vor allem gut aussehen. Die Emanzipation der vergangenen Jahrzehnte hat erfreulicherweise vieles verändert.</p>
<p>Doch erfolgreiche deutsche Comedians und Satiriker zeigen, dass im Bereich des Humors vor allem die alten, patriarchalen Strukturen funktionieren: Männliche Comedians spielen mit dem, was Männer ausmacht – mit ihrem Status. Weibliche Comedians hingegen müssen irgendwie ihr Aussehen einbeziehen, damit sie kommerziell erfolgreich sind. Vermutlich ist das einer der Gründe, warum es in Deutschland deutlich<a href="http://www.stern.de/kultur/tv/sarah-silverman-und-tina-fey-am-ende-lacht-die-vagina-643253.html" target="_blank"> mehr bekannte männliche als weibliche Comedians gibt</a>.</p>
<p><strong>Schmidt der Überlegene, Cindy das Dickerchen</strong></p>
<p>Einen Status zu brechen oder zu überhöhen, ist nämlich relativ einfach. Viele männliche Comedians bauen ihre Rollen darauf auf. Harald Schmidt spielt mit der Perfektionierung des Status. Mit feinen Anzügen und feiner Brille lässt Schmidt den intellektuellen Zyniker raushängen. Er bestätigt mit jedem Spruch seine Intelligenz, seine Bildung, seine Überlegenheit.</p>
<p>Umgekehrt funktioniert aber auch der Bruch mit einer Männlichkeitsrolle: Das Witzige an Bernd Stromberg ist, dass er sich als großer Macker aufspielt, aber eigentlich ein profilneurotisches Würstchen ist. Olli Schulz säuft sich als Charles Schulzkowski die Hucke zu und verliert die Kontrolle. Atze Schröder setzt sich peinliche Haare auf und macht sich zum Proll, Olaf Schubert gibt den neurotisch-verstörten Lebensverlierer.</p>
<p>Weibliche Comedians in Deutschland kokettieren dagegen oft mit ihrem Aussehen. <a href="http://www.zeit.de/2013/12/Cindy-aus-Marzahn" target="_blank">Cindy aus Marzahn</a> ist momentan wahnsinnig erfolgreich. Sie hat einen Weg gefunden, mit ihrem Aussehen und dem Klischee von Weiblichkeit Komik zu schaffen. Eine Ausnahme. Weil Aussehen nicht die gleichen Variationsmöglichkeiten und humoristischen Fallhöhen bietet wie Status.</p>
<p><strong>Trockene Zyniker und schmutzige Pöbelprinzessinnen</strong></p>
<p>Auch ich stehe auf Männer mit Humor. Auf sprühende Charmeure, die mich mit ihrem Witz um den Finger wickeln können. Auf trockene Zyniker, die immer ins Schwarze treffen. Humor ist für mich sein Dekolleté.</p>
<p>Ich mag aber auch lustige Frauen. Schmutzige Pöbelprinzessinnen mit rauer Stimme und elegante Pointenjägerinnen mit subtiler Finesse. Die mich überraschen und inspirieren.</p>
<p>Das hilft aber alles nichts, wenn ich an die Theorien von Macht und Status denke. Denn in der Konsequenz bedeuten sie, dass Frauen und Männer erst dann auf derselben Ebene lustig sein können, wenn es eine gesamtgesellschaftliche Gleichberechtigung gibt. Wenn Frauen keine Lust mehr haben, gejagt zu werden, sondern selber die Flinte zücken. Wenn Männer gerne zu Frauen aufschauen und Frauen das ertragen können. Ich habe, ehrlich gesagt, keine Lust, so lange zu warten.</p>
<p>Ich mag es, wenn man gemeinsam über dasselbe lacht. Ich mag es, wenn man sich gegenseitig die Pointen abjagt und um das letzte Wort kabbelt. Ich mag es, Menschen zum Schmunzeln zu bringen, die gerade eigentlich ernst sein wollten.</p>
<p><strong>Mein Appell: gleichberechtigtes Lustigsein </strong></p>
<p>Für mich ist Lustigsein eine besondere Art, auf die Welt zu blicken. Die Kleinigkeiten zu sehen. Nie den Glauben an den Zauber zu verlieren. Sich der wohl größten Herausforderung des Lebens zu stellen: <a href="http://www.zeit.de/1964/38/humor-das-schwierigste-im-leben" target="_blank">nicht zu verbittern</a>.</p>
<p>Für mich ist jeder, der sich dieser Herausforderung stellt, sexy. Deshalb wünsche ich mir, dass sich mehr Frauen trauen, witzig zu sein; dass sie sich wie in so vielen anderen Bereichen bewusst dafür entscheiden, in eine Männerdomäne einzudringen und sich nicht nur bespaßen zu lassen und mit ihren schlanken Beinen zu wippen. Und ich wünsche mir mehr Männer, die solche Frauen toll finden.</p>
<p><em>Inspiriert zu diesem Text hat mich <a href="http://www.welt.de/vermischtes/kurioses/article116208175/Warum-Maenner-Angst-vor-witzigen-Frauen-haben.html" target="_blank">ein Interview</a> mit dem professionellen Gag-Schreiber <a href="http://www.liesmichmal.de/" target="_blank">Christian Eisert</a>.</em><em> </em><em>Er war sich übrigens nicht zu schade, über mich zu lachen.</em></p>
<p><em></em>Foto: <a href="http://anjableyl.de/" target="_blank">Anja Bleyl</a></p>
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		<title>So viel Himmel im Kopf</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Apr 2013 21:07:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carlinemohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mohrenpost]]></category>
		<category><![CDATA[Abschied]]></category>
		<category><![CDATA[letzte Worte]]></category>
		<category><![CDATA[Sterben]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>

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		<description><![CDATA[Jedes Jahr im Mai bist Du wieder da. Obwohl es Dich schon so lange nicht mehr gibt. Aber immer im Mai riecht die Welt genau so, wie sie es beim letzten Mal getan hat, als wir zusammen waren. Erinnerungen tauchen &#8230; <a href="http://www.mohrenpost.de/2013/04/18/so-viel-himmel-im-kopf/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img class=" wp-image-2202 aligncenter" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2013/04/Himmelblau-1024x685.jpg" alt="Wo fängt Dein Himmel an?" width="584" height="390" /></p>
<p>Jedes Jahr im Mai bist Du wieder da. Obwohl es Dich schon so lange nicht mehr gibt. Aber immer im Mai riecht die Welt genau so, wie sie es beim letzten Mal getan hat, als wir zusammen waren.</p>
<p>Erinnerungen tauchen manchmal so plötzlich auf, als hätte jemand den Bildschirmschoner angetippt. Im Vordergrund läuft halt irgendwas, meistens das Leben, es lenkt ab und es schützt einen, aber im Hintergrund liegt alles, was man lange nicht mehr anfassen wollte. Da liegt es gut und im besten Fall entscheidet man selbst, wann der Schonmodus beendet ist.<span id="more-2119"></span></p>
<p>Aber manchmal passiert es unerwartet. Weil da ein Geruch ist, ein Lied, ein Buch, ein Essen, eine Geschichte. Dann fährt der Bildschirmschoner, das Leben einfach runter. Und es gibt nur noch Erinnerungen.</p>
<p>Bei mir passiert es immer im Frühling. Dann bist Du da, ganz plötzlich, immer über Nacht, immer mit diesem schrecklichen Traum. Es ist einer der Momente, in denen das Herz so knackt und zieht, als würde es versuchen, sich ganz klein zu machen.</p>
<p><strong>Alptraumwecker</strong></p>
<p>Wie wäre es, wenn es einen Traumwecker gäbe? Einen, der auf die Träume aufpasst, in denen verlorene Menschen vorkommen. Wenn die Träume schlimm sind oder verstörend, dann holt der Wecker einen zurück und schreibt in großen, leuchtenden Buchstaben an die Decke über dem Bett: „Alles ist gut, Du hast nur geträumt“. Aber wenn es einer dieser Träume ist, in denen alles so echt scheint, so beruhigend, so schön, dann schaltet der Wecker sich aus. Und vorher schickt er eine Email an die Arbeit, dass man heute nicht kommen wird. Weil es wirklich wichtigeres gibt, im Leben.</p>
<p>Manchmal wähle ich Deine alte Nummer. Die letzte Zahl zögere ich hinaus, so lange es geht. Stelle mir vor, Du würdest gleich rangehen. Ich überlege, was ich Dir erzählen würde, von meinem Tag, meiner Woche, meinen Jahren. Diese Sekunde bevor ich die letzte Sieben wähle, ist die längste die ich kenne. Dann kommt das Besetzt-Zeichen.</p>
<h1><strong><strong>Vergiss-mein-nicht-Zahlen<br />
</strong></strong></h1>
<p>Wann das aufhört? Vielleicht nie. Das Schlimme ist, nicht sicher zu sein. Wie wäre es, wenn jeder Mensch, dem man nahe kommt, eine Ziffer um den Hals tragen würde: „Solange wirst du brauchen, um über mich hinwegzukommen.“ Ein paar Menschen hätten ein <strong>∞</strong> über dem Herzen. Nicht, dass es etwas ändern würde. Aber man wüsste Bescheid. Vielleicht würde man mehr Fotos machen. Öfter anrufen. Mehr verzeihen.</p>
<p>Im Radio läuft ein Interview. Der Moderator fragt seinen Gast, ob er etwas bereut in seinem Leben. Ich denke sofort an Wien, an diese Telefonzelle. Mit den letzten Groschen in der Hand stehe ich da, habe den Hörer schon abgehoben, will Dich anrufen. Meine Freundin klopft an die Scheibe. Fragt, ob wir Eis essen wollen. Es wäre das letzte Mal gewesen, dass Du dich gemeldet hättest, nach der letzten Sieben. Ich wusste es doch nicht. Und habe das Eis gekauft.</p>
<p><strong>Der-letzte-Worte-Saal</strong></p>
<p>Wie wäre es, wenn es in jeder Stadt einen Letzte-Worte-Saal geben würde? Ein kleines Pult auf einer kleinen Bühne und jeder könnte kommen und das sagen, wofür er zu spät kam. Es stünde immer jemand an diesem Pult, 24 Stunden, rund um die Uhr. Weil es so viele Menschen gibt, denen die ungesagten Worte auf der Seele brennen. Und jeder darf dazu kommen, darf sich setzen und zuhören. Und es wäre irgendwie tröstlich. Denn wenn man lange genug dort sitzt, dann hat jeder die wichtigen Worte schon gehört. Es sind nämlich immer dieselben. „Ich liebe dich. Es tut mir leid. Ich verzeihe Dir. Du bist so wichtig für mich. Ich liebe Dich. Ich liebe Dich.“ Es wäre fast so, als käme niemand mehr zu spät.</p>
<p>Du hattest noch deine Socken gewaschen und zum Trocknen aufgehangen. Diese blauen Socken mit den Gumminoppen. Wir haben sie wochenlang so gelassen. Als wärest Du nur schnell einkaufen gegangen. Als würdest Du sie gleich wieder anziehen und rote Grütze kochen oder Marmelade mit den Beeren aus dem Garten. Ich kann keine Noppensocken mehr tragen, seitdem.</p>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-2162" title="Die Socken" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2013/04/Omas-Socken-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></p>
<p><strong>Kummer-Konto </strong></p>
<p>Trauer ist wie eine Parkkralle für das Herz. Sie lässt einen erst los, wenn man bezahlt hat. Das ist so schwer manchmal, so einsam, so bitter. Wie wäre es, wenn man all diese zahllosen Stunden und Nächte, die man um jemanden weint, auf ein Kummer-Konto einzahlen könnte? Und immer, wenn das Leben sich mal wieder schwer tut und die Sorgen nicht verschwinden wollen, dann könnte man sich ein paar Stunden mit diesem Konto frei kaufen. Weil man schon genug gelitten hat.</p>
<p>Manchmal zucke ich zusammen, wenn ich jemanden „Mäuschen“ rufen höre. Früher war es mir peinlich, wenn Du mich so genannt hast. Klar. Heute stehe ich am Gemüsestand im Supermarkt und schlucke und kämpfe und drehe mich nach dem kleinen Mädchen um, das „Mäuschen“ sein darf. In diesem letzten Mai saß ich so oft an Deinem Bett im Krankenhaus. Mit meinem rumpelnden Mäuseherz, das nun keines mehr sein durfte. Sterben macht hilflos.</p>
<p><strong>Flüssige Liebe</strong></p>
<p>Wie wäre es, wenn man Liebe flüssig machen könnte? Dann könnte man Koma-Patienten, von denen niemand genau weiß, was sie noch fühlen, denken oder spüren, einen Schlauch legen, direkt ins Herz. Und durch den könnte man seine ganze Liebe pumpen, so lange es eben geht. Nur für den Fall. Vielleicht könnte man die flüssige Liebe auch einfrieren, so wie Blutkonserven. Und wenn da jemand liegt, der niemanden mehr hat, dann könnte er ein bisschen Spenderliebe abbekommen.</p>
<p>Ich sitze hier, denke an Dich, es ist fast Mai. Ich weiß, Du kommst bald. So wie jeden Mai. Wenn der Himmel so blau ist wie sonst nie.</p>
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		<title>Mehr München für die Hauptstadt</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Dec 2012 00:06:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carlinemohr</dc:creator>
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		<description><![CDATA[München hat es mir nicht leicht gemacht. Ich dachte wirklich, „Brennsuppn“ sei eine Vorspeise und ein Dirndl könne man auch ohne Schürze tragen. Ich dachte, die Freunde würden mir zufliegen und der Himmel würde immer strahlend sein, in blau-weißen Karos. &#8230; <a href="http://www.mohrenpost.de/2012/12/24/mehrmuenchenfurdiehauptstadt/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2025" title="Verliebt in München" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/12/w2.png" alt="" width="640" height="960" /></p>
<p>München hat es mir nicht leicht gemacht. Ich dachte wirklich, „Brennsuppn“ sei eine Vorspeise und ein Dirndl könne man auch ohne Schürze tragen. Ich dachte, die Freunde würden mir zufliegen und der Himmel würde immer strahlend sein, in blau-weißen Karos. <span id="more-2024"></span></p>
<p>München war meine erste große Stadt, das erste große Alleinsein. Im Gepäck hatte ich nur eine Magisterarbeit, die geschrieben werden wollte und eine große Liebe. Die Arbeit sollte am Ende erfolgreich werden, die Liebe nicht so.</p>
<p>Meine erste und letzte Kneipe in dieser Stadt war der <a title="Hüttenwirt" href="http://naumannshuettnwirt.gemeindeausstellung.de/" target="_blank">Hüttenwirt</a> direkt vor meiner Haustür. Er hatte immer geöffnet. Und die blonde Wirtin hatte immer einen Bärwurz-Schnaps, wenn ich mich einsam, verzweifelt und verloren fühlte. Das war oft.</p>
<p><strong>Augustiner oder Tegernseeer?</strong></p>
<p>Ein Zuagroaster braucht seine Zeit, um in München anzukommen. Berge oder <a title="Isartrails" href="http://www.merkur-online.de/lokales/landkreis-muenchen-sued/isartrailsnaturschuetzer-bremsen-mountainbiker-1328679.html" target="_blank">Isartrails</a>? P1 oder <a title="Kein Trend, kein Schischi" href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/die-schwabinger-kein-trend-kein-schischi-1.597964" target="_blank">Schwabinger 7</a>? Grillen am Flaucher oder Schweinebraten im Straubinger? Ausgehen mit dem durchtrainierten Surfer oder dem bebrillten Theaterregisseur? Strähnchen oder Undercut? Tegernseeer oder Augustiner?</p>
<p>Ich habe selbstverständlich alles ausprobiert. Das Schöne hier ist: Man findet seinen Weg. Früher oder später. Denn in München geht man nicht so schnell verloren. Diese Stadt ist irgendwie heile. Egal, wie tief man stürzt ­- nach dem Aufprall gibt es erstmal Weißwürschte und Bier. Schwoabs owe.</p>
<p><strong>Berliner Weiße im Löwenbräu</strong></p>
<p>Es scheint nämlich in dieser Stadt mehr Menschen zu geben, die bereits etwas gefunden haben, als Menschen, die sich rastlos verlieren, verzetteln, verlaufen. Mehr Menschen, die irgendwo hin gehören. Menschen mit Plan, Menschen mit Zukunft. Hängt man dazwischen, fühlt man sich wie eine Berliner Weiße im Löwenbräukeller. Schon gut, eigentlich. Aber eben nicht richtig.</p>
<p>Am Ende bin ich angekommen in München: Ich hatte einen okayen Job. Die wunderbarsten Freunde der Welt. Erkannte Münchner U-Bahnkontrolleure schon von weitem. Konnte Weißwürste zuzeln und jede Zeile von „Weilst a Herz host wia a Bergwerk“.</p>
<p>Nun bin ich in Berlin. Und fühle mich wie eine Weißwurst im <a title="Villa Kunterbums" href="http://www.bild.de/news/2009/berlin/villa-kunterbums-9413676.bild.html" target="_blank">Berghain</a>.<br />
Es wird Zeit, dass der Hüttenwirt dort eine Schankerlaubnis bekommt.</p>
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		<title>Mein Neukölln</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Dec 2012 20:38:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carlinemohr</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sonnenallee]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230; darf von mir aus auch überall sein Ich mag Neukölln. Mir bleibt allerdings auch gar nichts anderes übrig, ich wohne nämlich hier. Mitten auf der Sonnenallee. Wenn mir danach wäre, könnte ich jederzeit ein Hochzeitskleid aus aneinander genähtem Glitzer &#8230; <a href="http://www.mohrenpost.de/2012/12/06/mein-neukoelln/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8230; darf von mir aus auch überall sein</strong></p>
<p>Ich mag Neukölln. Mir bleibt allerdings auch gar nichts anderes übrig, ich wohne nämlich hier. Mitten auf der Sonnenallee.</p>
<div id="attachment_1884" class="wp-caption aligncenter" style="width: 594px"><img class=" wp-image-1884 " title="Mein Neukölln" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/12/Mohrenpost_mein_neukölln_final-1024x565.jpg" alt="Mein Neukölln" width="584" height="322" /><p class="wp-caption-text">Lost in Neukölln – Foto: Anja Bleyl</p></div>
<p><span id="more-1702"></span>Wenn mir danach wäre, könnte ich jederzeit ein Hochzeitskleid aus aneinander genähtem Glitzer kaufen. Oder einen muslimischen Sarg mit Zinkeinsatz, je nachdem. Mein Haus befindet sich jedenfalls in bester Lage, zwischen „Brautmoden Shuruq“ und „ADA Cenaze<strong id="emotion-header-title"> </strong>Bestattungen“.<br />
Ich könnte auch rund um die Uhr die extrascharfen Döner vom Erk-Imbiss auf die Polizeistation gegenüber werfen. Oder mit den Jungs vom Fußballplatz die Aral überfallen und danach den netten Damen aus der Erotik-Bar „Lübov“ ein büsschen Sprit ausgeben.</p>
<p>Ich bin damals hergezogen, weil es billig war. Weil man mir sagte, <a title="x-Koelln in „Der Welt“" href="http://www.welt.de/regionales/berlin/article950129/Ein-Berliner-Kiez-erwacht-zu-neuem-Leben.html" target="_blank">Kreuzkölln</a> sei cool und weil ich den M29 schon kannte. Heute weiß ich natürlich, dass es Kreuzkölln gar nicht geben sollte. Weil das von schwäbischen Gentrifizierungs-Hipstern ohne Seele erfunden wurde. Heute liegt meine Miete rund 150 Euro höher als beim Einzug und zur Arbeit fahre ich mit dem Fahrrad. Den berühmten Bierflaschen-Slalom durch die <a title="Die Weser in der Morgenpost" href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1621866/Neues-Neukoelln-20-Kneipen-ein-Bioladen.html" target="_blank">Weserstraße</a>.<br />
Aber ich mag Neukölln.</p>
<p><strong>PHILOSOPHIE</strong></p>
<p>Ich mag die Prioritäten hier. Was in meiner Heimat Köln gilt, gilt in Neukölln nämlich schon lange: <a title="Karnevalistisches Liedgut von „De Höhner“" href="http://www.hoehner-fans.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;catid=4&amp;Itemid=15&amp;id=176/" target="_blank">Levve und levve losse</a>. (Leben und leben lassen.) Man formuliert es nur weniger poetisch.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" width="550" lang="de"><p>Und gibt es Ärger, wenn ich nach 18h Altglas einwerfe? &#8211; Junge Dame, wir sind in <a href="https://twitter.com/search/%23Neukölln">#Neukölln</a>. Wir sind froh, wenn niemanderschossen wird.</p>
<p>&mdash; Carline Mohr (@Mohrenpost) <a href="https://twitter.com/Mohrenpost/status/184213497079545856" data-datetime="2012-03-26T09:41:34+00:00">März 26, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Neukölln ist manchmal herrlich schnörkellos. Bloß nicht angeben. Bloß nichts schöner machen, als es ist. Manchmal sind die einfachen Dinge auch die Besten. Und ganz ehrlich: Wer braucht schon Hugo Aperetivo oder lukullische Lachshäppchen, wenn er das hier haben kann?</p>
<blockquote class="twitter-tweet" width="550" lang="de"><p>Feinkost Käfer kann einpacken. In Berlin heißt ditt &#8220;Bier und Stullen&#8221; Catering! <a href="http://t.co/fIHUU2ZK" title="http://twitter.com/Mohrenpost/status/231810598743203840/photo/1">twitter.com/Mohrenpost/sta…</a></p>
<p>&mdash; Carline Mohr (@Mohrenpost) <a href="https://twitter.com/Mohrenpost/status/231810598743203840" data-datetime="2012-08-04T17:55:29+00:00">August 4, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Zumal man in Neukölln oft nicht so genau weiß, ob gerade die richtige Zeit für einen Drink, ein Häppchen oder einen Döner ist.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" width="550" lang="de"><p>In <a href="https://twitter.com/search/%23Neukölln">#Neukölln</a> ticken die Uhren halt anders. <a href="http://t.co/FVANghaC" title="http://twitter.com/Mohrenpost/status/260668038028877824/photo/1">twitter.com/Mohrenpost/sta…</a></p>
<p>&mdash; Carline Mohr (@Mohrenpost) <a href="https://twitter.com/Mohrenpost/status/260668038028877824" data-datetime="2012-10-23T09:04:38+00:00">Oktober 23, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p><strong>GENTRIFIDINGSBUMS</strong></p>
<p>Viele behaupten, Neukölln sei ein Beweis für <a title="Buschkowskys Gesellschaftsanalyse" href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/buschkowskys-gesellschaftsanalyse-das-zuschauen-muss-ein-ende-haben-11896017.html" target="_blank">gescheiterte Integration</a>. Andere meinen, es sei ein Beispiel für <a title="„Touristen anzünden!“" href="http://www.zeit.de/kultur/2012-08/touristenhass-kommentar" target="_blank">außer Kontrolle geratene Gentrifizierung</a>. Die Wahrheit sonnt sich derweil irgendwo auf einer Wiese in Gropiusstadt und schlürft Club Mate. Wichtig ist auf jeden Fall, erstmal ordentlich zu pöbeln. So zur Sicherheit. Bei putzigen Deko-Elementen an der Hauswand weiß man ja nie&#8230;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" width="550" lang="de"><p>In Neukölln mag man keine Fähnchen. <a href="http://t.co/D0vRh1sL" title="http://twitter.com/Mohrenpost/status/276436319956250625/photo/1">twitter.com/Mohrenpost/sta…</a></p>
<p>&mdash; Carline Mohr (@Mohrenpost) <a href="https://twitter.com/Mohrenpost/status/276436319956250625" data-datetime="2012-12-05T21:22:10+00:00">Dezember 5, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Ich finde, das Schöne an dem ganzen Getrifizierungs-Schlamassel ist, dass es so Dinge gibt, bei denen sich wieder alle einig sind. Schlechte Scherze über den Hermannplatz, Exfreunde oder die Gendarmerie gehören unbedingt dazu.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" width="550" lang="de"><p>Wenn mir langweilig ist, verteile ich am Hermannplatz Einladungen zum Herbstfest der Jungpolizisten Neukölln. Mit der Adresse meines Ex.</p>
<p>&mdash; Carline Mohr (@Mohrenpost) <a href="https://twitter.com/Mohrenpost/status/244828708521791489" data-datetime="2012-09-09T16:04:47+00:00">September 9, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Was mich betrifft: Ich hab ja keine <a title="Muschi Kreuzberg" href="http://www.muschikreuzberg.de/index.cfm?seite=shirts&amp;productID=29&amp;sprache=DE" target="_blank">Angst vorm Hermannplatz</a>! Denn wenn man genau hinsieht, gibt es zwischen all den Junkies, Hipstern und Friedensrichtern immer Einen, der auf dich aufpasst.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" width="550" lang="de"><p>Und dann sitzt plötzlich He-Man neben dir. Das geheime Superhelden-Leben vom Hermannplatz. (via Muschi Kreuzberg) <a href="http://t.co/OkOiY5Fg" title="http://twitter.com/Mohrenpost/status/194479880803586048/photo/1">twitter.com/Mohrenpost/sta…</a></p>
<p>&mdash; Carline Mohr (@Mohrenpost) <a href="https://twitter.com/Mohrenpost/status/194479880803586048" data-datetime="2012-04-23T17:36:32+00:00">April 23, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>(Via Muschi Kreuzberg bei <a title="Musch bei FB" href="https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151529146075580&amp;set=a.451286175579.373319.449863155579&amp;type=1" target="_blank">Facebook</a>)<br />
<strong><br />
NAHVERKEHR</strong></p>
<p style="text-align: left;">Helden gibt es nicht nur am Hermannplatz. Sie sind auch in der Bahn. Diese ganz großen Philosophen und Lebenskünstler. Hier kann man lernen, was wirklich zählt. In Berlin, im Kiez, im Leben. Es gibt große Träume und kleine Wünsche. Und egal, was man sucht, es findet sich was fast immer etwas.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/11/u7.png"><img class="size-full wp-image-1723 aligncenter" title="u7" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/11/u7.png" alt="" width="402" height="130" /></a></p>
<p>Für die Suche nach Antworten hat man viel Zeit im Bus M29, der vom tiefsten Neukölln bis ins friedliche Wilmersdorf fährt. Auf dem langen Weg kann man sich wunderbar Gedanken machen. <span style="font-size: medium;"><span style="line-height: 26.66666603088379px;">Über die Liebe und das Einsam sein, zum Beispiel. </span></span></p>
<p><img class="alignleft" title="bus" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/12/bus.png" alt="" width="411" height="144" />Und die Dame mit dem lustigen Hut erklärt, wer an allem Schuld ist: Die Grammatik. Natürlich.</p>
<p><strong><br />
LIEBE</strong></p>
<p>Dabei kann Neukölln durchaus sehr romantisch sein. Nicht immer dann, wenn man es erwartet. Nicht immer so, wie man es sich vorgestellt hatte. Aber wenn es soweit ist, kümmert es niemanden, woher du kommst, wie alt oder vergeben du bist.</p>
<p style="color: #333333; font-size: 15.555556297302246px; font-style: normal; line-height: 26.666667938232422px;"><span style="color: #333333; font-size: 15.555556297302246px; font-style: normal; line-height: 26.666667938232422px;"><img class="alignleft" title="Verehrer" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/11/Verehrer.png" alt="" width="372" height="504" /></span></p>
<p><em> </em>Und auf den schäbigen Treppenstufen liegt ein schäbiger Zettel. Mit ungelenker Schrift und welkender Rose. Und es ist das Romantischste, was du seit langem gesehen hast.</p>
<p>Es muss eben nicht immer blaue Tinte sein. Nicht immer prinzenhafte Perfektion.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sogar die älteren Herren aus der arabischen Welt wissen, wie sie junge Mädchen beeindrucken können. Und ich lerne: Gefrorener Orangensaft kann eine Geste der Globalisierung, Integration und Romantik sein&#8230;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" width="550" lang="de"><p>Und während du vor der Tür noch eine rauchst, spendiert dir ein alter Araber orientalischen Bubble-Tea. So süß Berlin. <a href="http://t.co/uNKm0yGt" title="http://twitter.com/Mohrenpost/status/237961114183426050/photo/1">twitter.com/Mohrenpost/sta…</a></p>
<p>&mdash; Carline Mohr (@Mohrenpost) <a href="https://twitter.com/Mohrenpost/status/237961114183426050" data-datetime="2012-08-21T17:15:26+00:00">August 21, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p><strong>NÄCHTE</strong></p>
<p>Allerdings wird man von gefrorenem Orangensaft nicht betrunken. Und wer meint, es sei grundsätzlich von Vorteil, total fit, lustig und schlagfertig zu sein &#8211; der war noch nie in einer Samstagnacht in Neukölln unterwegs&#8230;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" width="550" lang="de"><p>So nüchtern sein, dass die anderen denken, du seist hart auf Droge. Auch das ist Neukölln.</p>
<p>&mdash; Carline Mohr (@Mohrenpost) <a href="https://twitter.com/Mohrenpost/status/275059617418076160" data-datetime="2012-12-02T02:11:37+00:00">Dezember 2, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Man kann es natürlich auch umgekehrt machen und sich in Jägermeister ertränken. Dann geht der Abend anders aus. Und plötzlich hast Du neue Klamotten, neues Interior und einen neuen Job.</p>
<p><img title="Kreuzberger Nächte" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/12/Kreuzberger-Nächte.png" alt="" width="401" height="144" /><br />
Vor allem, wenn du feststellst, dass sich der <a title="Trinkteufel – das Tor zur Hölle" href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtleben/besuch-im-trinkteufel-wo-pete-doherty-abstuerzte/1644660.html" target="_blank">Trinkteufel</a> gar nicht in Neukölln, sondern in Kreuzberg befindet. Dann nimmst du ein Taxi. Und dann wird es wieder romantisch.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1771" title="Nächte" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/12/Nächte1.png" alt="" width="408" height="143" /></p>
<p><strong>TIERE </strong></p>
<p>In Neukölln begegnet man nicht nur vielen unterschiedlichen Menschen.<br />
Mein Tipp: Bei hüfthohen Tieren, die sich hinter den Mülltonnen verstecken, handelt es sich nicht immer um den freundlichen Bernhardiner aus dem zweiten Stock&#8230;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" width="550" lang="de"><p>Okay. Also entweder züchtet jemand Hyänen im Hof oder die Ratten in Neukölln sind wirklich, wirklich groß.</p>
<p>&mdash; Carline Mohr (@Mohrenpost) <a href="https://twitter.com/Mohrenpost/status/271312034652639232" data-datetime="2012-11-21T18:00:04+00:00">November 21, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Dafür kann man gezielt kontern, wenn die Freunde aus Süddeutschland schon Ende Oktober die Pinnwände mit entzückende Schnee-Fotos überladen.  („Guckt mal, es hat geschneiiiheiit!!“) Während es im grauen Berlin einfach nicht aufhören will zu schütten.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" width="550" lang="de"><p>Mache gleich ein Foto von der ertrunkenen Ratte neben den Mülltonnen und schicke es an meine Münchner Freunde. &#8220;Guckt mal, es hat GEREGNET!&#8221;</p>
<p>&mdash; Carline Mohr (@Mohrenpost) <a href="https://twitter.com/Mohrenpost/status/160685383284305920" data-datetime="2012-01-21T11:29:15+00:00">Januar 21, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Mit den Tieren ist es manchmal wie mit den Neuköllnern: Du hast keinen Schimmer, ob das alles Ironie, Absicht oder Zufall ist. Aber eigentlich ist es ja auch völlig egal.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" width="550" lang="de"><p>Als Neuköllner Punk würde ich mein sabberndes Rottweilermädchen ja auch Mareike nennen.</p>
<p>&mdash; Carline Mohr (@Mohrenpost) <a href="https://twitter.com/Mohrenpost/status/270946826306322434" data-datetime="2012-11-20T17:48:51+00:00">November 20, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p><em><strong><br />
Mein liebes Neukölln, </strong></em><em><strong>Dein Bürgermeister Heinz Buschkowsky sagt: <a title="Besprechung Die Zeit" href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-10/heinz-buschkowsky-buchpraesentation-berlin-rassismus-integration-neukoelln" target="_blank">Neukölln ist überall</a>. Er meint das nicht als Kompliment. Dabei ist nicht mal in Neukölln überall Neukölln. Ich mag Dich. Wo auch immer Du bist.</strong></em></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>„Ich verfluche den Tag, an dem Du geboren wurdest!&#8221;</title>
		<link>http://www.mohrenpost.de/2012/10/26/ich-verfluche-den-tag-an-dem-du-geboren-wurdest/</link>
		<comments>http://www.mohrenpost.de/2012/10/26/ich-verfluche-den-tag-an-dem-du-geboren-wurdest/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 26 Oct 2012 12:18:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carlinemohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mohrenpost]]></category>
		<category><![CDATA[Exfreund]]></category>
		<category><![CDATA[Freundin]]></category>
		<category><![CDATA[gebrochenes Herz]]></category>
		<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Mathelehrer]]></category>

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		<description><![CDATA[Über die perfekten Sätze für Exfreunde, Mathelehrer und den Typ, der nie zurück gerufen hat &#160; Ich suche ziemlich oft meine Schlüssel. Noch öfter durchwühle ich diverse Taschen nach Haarklammern und auf der Suche nach meinem Labello lege ich mehr &#8230; <a href="http://www.mohrenpost.de/2012/10/26/ich-verfluche-den-tag-an-dem-du-geboren-wurdest/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Über die perfekten Sätze für Exfreunde, Mathelehrer<br />
</strong><strong>und den Typ, der nie zurück gerufen hat</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_1677" class="wp-caption aligncenter" style="width: 1013px"><img class="size-full wp-image-1677" title="Bonbon-Gedanken" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/10/Bonbon_final_2.jpg" alt="Bonbon-Gedanken" width="1003" height="818" /><p class="wp-caption-text">Bonbon-Gedanken (Foto:Anja Bleyl)</p></div>
<p>Ich suche ziemlich oft meine Schlüssel. Noch öfter durchwühle ich diverse Taschen nach Haarklammern und <a title="&quot;Mein Gott, ist die vergesslich.&quot;" href="http://sweetkoffie.wordpress.com/2012/09/15/vergesslich/" target="_blank">auf der Suche</a> nach meinem Labello lege ich mehr Kilometer zurück, als der Papst auf seiner Miles-and-more-Karte hat.<br />
Aber am allermeisten Zeit verbringe ich mit der <a title="Ein perfekter Satz, ein perfekter Text. " href="http://wunder.schoenaberselten.com/vom-schreiben/" target="_blank">Suche nach dem perfekten Satz</a>.<span id="more-1609"></span> Manchmal hat man nur diesen einen Satz. Um jemanden zu überzeugen und zu beeindrucken. Oder um jemanden bis ins Letzte zu treffen, zu verletzen, zu erschüttern.<br />
Mathelehrer sind so Menschen. Exfreunde. Zu seelenlosen Hexen mutierte Freundinnen. Unerfüllte Lieben. Und meist bekommt man nur eine Chance, um dem anderen sein selbstgezimmertes Weltbild mit ein paar gezielten Worten direkt ans Herz zu nageln.</p>
<p><strong>„ Äh. Hrmpf.“ </strong></p>
<p>Schlecht, wenn man im entscheidenden Moment nur  &#8221;Hrmpf.“ herausbringt. Oder totalen Blödsinn redet, wie meine Freundin Julia. Sie traf auf einer Party unerwartet den Typ, der sie nie zurück gerufen hatte. Panisch  haspelte sie drauf los: „Moment, ich geh mir nur kurz die Füße waschen. Äh, die Haare. Zähne. Hände natürlich! Ach egal, IRGENDWAS HALT, Du blöde Penisnase!!“<br />
Nie was geworden aus den beiden.</p>
<p>Charlotte dagegen hat lange über den perfekten Satz für ein Arschloch namens John nachgedacht. Sie wollte das gebrochene Herz ihrer Freundin Carrie rächen, sollte sie <a title="Offener Brief an Mr Big" href="http://blog.zeit.de/sex/2010/04/21/tschuss-satc-schon-wars-mit-uns-beiden/" target="_blank">John</a> eines Tages zufällig begegnen.</p>
<div id="attachment_1618" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1618" title="Charlotte" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/10/Charlotte-300x212.png" alt="Charlotte" width="300" height="212" /><p class="wp-caption-text">Sex And The City &#8211; Der Film</p></div>
<p>Sie schreit ihren Satz Monate später. Auf offener Straße, bebend vor Wut:<br />
<strong>„ICH VERFLUCHE DEN TAG AN DEM DU GEBOREN WURDEST!!!“</strong><br />
(Dann platzt ihre übervolle Fruchtblase, das Babywasser versaut Johns gute Lederschuhe, er fährt Charlotte ins Krankenhaus und heiratet Carrie am Ende doch.)</p>
<p>Manchmal liegt in einem einzigen Satz eine ganze Welt. Wut, Enttäuschung, Reue, Vorwurf, Endgültigkeit.</p>
<p><strong>Weltbilder im Seelensperrmüll</strong></p>
<p>Eine beneidenswerte Punktlandung. Freilich: Ich bin auch gut im Sätze finden. Ständig murmle ich <span style="text-decoration: line-through;">grenzdebil</span> eifrig <a title="Sind Selbstgespräche bedenklich?" href="http://www.focus.de/schule/lernen/lernatlas/wissenswert/wissenswert-sind-selbstgespraeche-normal_aid_306929.html" target="_blank">vor mich hin</a>. Schiebe Sätze wie Bonbons im Mund herum, probiere verschiedene Formen und Geschmäcker aus, lutsche die Kanten ab, bis sie sich glatt und perfekt anfühlen. Manchmal werden die Sätze süß wie Himbeer-Vanille-Drops, manchmal scharf und ungenießbar wie Fisherments mit Tabasco-Kern und Senf-Kruste.</p>
<p>Das Problem: Meine Freundin Julia habe ich mir nur ausgedacht. Julia bin in Wirklichkeit ich selbst. Im entscheidenden Moment stoße ich nämlich die Gläser mit den hübschen Bonbon-Sätzen in meinem Kopfregal um. Alles wirbelt durcheinander, ich erzähle Quatsch und mein Weltbild landet klappernd im Seelensperrmüll.</p>
<p>Es ist trotzdem gut, diese Sätze zu haben. Wenn man sie oft genug übt, hat man im entscheidenden Moment vielleicht gar keine Lust mehr, sie wirklich auszusprechen. Weil man genau weiß, wie alles kommen wird. Dann kann ein <a title="Schweigen können  wir Helmut Schmidt" href="http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/leadership/article13536567/Das-Erfolgsgeheimnis-der-Methode-Schmidt.html" target="_blank">Schweigen</a> größer sein als jede Welt. Und kaum ein Bonbon-Satz ist so perfekt, wie das Gefühl, dass der andere gerade verzweifelt selbst nach einem sucht.<br />
Dann kann man endlich mal die Klappe halten und sich in Ruhe die Füße waschen.</p>
<p><em>Foto: <a title="Anja Bleyl - Fotoblog" href="http://anjableyl.de/" target="_blank">Anja Bleyl</a></em></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Blowing In The Wind</title>
		<link>http://www.mohrenpost.de/2012/08/15/blowing-in-the-wind/</link>
		<comments>http://www.mohrenpost.de/2012/08/15/blowing-in-the-wind/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 15 Aug 2012 11:07:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carlinemohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mohrenpost]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Drachen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Neukölln]]></category>
		<category><![CDATA[Ubahn]]></category>
		<category><![CDATA[Wind]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.mohrenpost.de/?p=1531</guid>
		<description><![CDATA[Servus Berlin. Bist Du mein großer Sturm?  „Hallo, ich verkaufe den Wind“, sagt der großnasige Mann auf einer einsamen Gasse irgendwo in Neukölln. Die Kopfsteinpflaster glänzen nach dem Regen wie angeleckte Lakritzbonbons. Er streckt mir ein kleines Päckchen entgegen. Es &#8230; <a href="http://www.mohrenpost.de/2012/08/15/blowing-in-the-wind/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Servus Berlin. Bist Du mein großer Sturm? </strong></p>
<p><a href="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/08/Wind.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-1532" title="Wind" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/08/Wind-1024x768.jpg" alt="" width="584" height="438" /></a></p>
<p>„Hallo, ich verkaufe den Wind“, sagt der großnasige Mann auf einer einsamen Gasse irgendwo in Neukölln. Die Kopfsteinpflaster glänzen nach dem Regen wie angeleckte Lakritzbonbons.<span id="more-1531"></span></p>
<p>Er streckt mir ein kleines Päckchen entgegen. Es misst nicht größer als zwei aufeinanderliegende Zigarettenschachteln und ist sorgfältig mit Zeitungspapier umwickelt. „Und da hat der ganze Wind reingepasst?“ will ich wissen. Der Mann lächelt. Natürlich nicht der ganze Wind.</p>
<p><strong>Drachenflug</strong></p>
<p>In diesem Päckchen sei eine kräftige Oktoberböe vom Tempelhofer Feld. Dort, wo die leuchtenden Drachen die kürzeste Verbindung zum Himmel sind. Sie riecht nach bunten Blättern, dem letzten schönen Herbsttag. Sie riecht wie endlich-nach-Hause-wollen, wenn der lange, freie Sommer endgültig vorüber ist. Es ist diese eine Böe, <a title="Facetten-Magazin Neukölln" href="http://www.google.de/imgres?um=1&amp;hl=de&amp;safe=off&amp;sa=N&amp;biw=1920&amp;bih=967&amp;tbm=isch&amp;tbnid=RCjKyexL3SG-iM:&amp;imgrefurl=http://facettenneukoelln.wordpress.com/2011/10/23/getrennte-wege/&amp;docid=Si1WravgBeKzgM&amp;imgurl=http://facettenneukoelln.files.wordpress.com/2011/10/drachenflieger_tempelhofer-feld_neukc3b6lln.jpg&amp;w=321&amp;h=482&amp;ei=xIArUJCFLYXvsgb6ooGwCw&amp;zoom=1&amp;iact=hc&amp;vpx=586&amp;vpy=242&amp;dur=2594&amp;hovh=275&amp;hovw=183&amp;tx=111&amp;ty=294&amp;sig=112707057317313363908&amp;page=1&amp;tbnh=144&amp;tbnw=99&amp;start=0&amp;ndsp=48&amp;ved=1t:429,r:41,s:0,i:205" target="_blank">die den Drachen hoch in den Himmel reißt</a>. Genau die richtige Menge, um sich den Kopf frei zu pusten, erklärt er. Der Windmann heißt Bob und verlangt 1,50 Euro für sein Paketchen echten Berliner Wind.</p>
<p>Der echte Berliner Wind. Er reißt den Rock hoch, wenn man auf der U-Bahntreppe ins Freie läuft. Er wirbelt die Asche in den Milchschaum, wenn man zum Kaffee eine Zigarette raucht. Im Sommer pustet er Frische auf sonnenheiße Nasen und im Winter drückt er sich einem entgegen wie eine eisige Wand. Kriecht durch den dicksten Mantel bis er in die winterweiche Haut beißen kann.</p>
<p><strong>Der echte Berliner Wind</strong></p>
<p>Bob öffnet seinen dunkelgrünen Seesack mit den fransigen Aufnähern. Zieht eine andere Schachtel hervor. Sie ist kleiner als die Oktoberböe. Ein Hauch von Mai, sagt Bob. Dieser Wind riecht kindheitssüß und unschuldig, wie feuchtes Gras unter nackten Füßen. Er riecht nach Platzen vor Glück und losrennen wollen, die ganze Nacht tanzen und den ersten Sonnenaufgang des Jahres im T-Shirt bestaunen können. Genau die richtige Menge, um Mut zu sammeln.</p>
<div id="attachment_1561" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img class="size-thumbnail wp-image-1561" title="Drachenflug" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/08/Drache1-150x150.jpg" alt="Drachenflug" width="150" height="150" /><p class="wp-caption-text">© Mama</p></div>
<p>Menschen, die neu oder nur zu Besuch in der großen Stadt sind, reagieren überrascht, wenn ihnen plötzlich der echte Berliner Wind um die Ohren pfeift. Es gibt ihn so nicht in Bayern oder in Hessen, im Rheinland oder in der Pfalz.<br />
Es ist diese Art Wind, die eigentlich ein bisschen nach Salz schmecken sollte. Weil das Meer gleich dahinten ist. Dabei ist da nur Berlin. Und noch mehr Berlin. Dieser Wind ist wie Küstenwind, nur ohne Küste.</p>
<p><strong><br />
Der große Sturm</strong></p>
<p>Berlin ist die Stadt der großen Stürme. Und man weiß nie, ob sie einen zum Kentern bringen oder zum Fliegen. Bob mustert mich. „Ich habe genau den richtigen Wind für dich“, sagt er schließlich und zaubert ein letztes Paket aus seinem Sack. Es ist mit extra viel Klebeband umwickelt.<br />
Da drin ist der U-Bahn-Wind. Dieser saugende Stoß, den eine einfahrende U-Bahn hinter sich her zieht. Er riecht nach Menschen, nach Dunkelheit. Nach Verborgenem, aber auch nach Licht am Ende des Tunnels. In diesem Wind wirbeln die unerzählten Geschichten, sagt Bob.</p>
<p>Ich nehme das Päckchen und laufe vorsichtig los, über die lakritzenen Kopfsteinpflaster Richtung Zuhause. „Und vergiss nicht&#8221;, ruft der Windmann mir noch nach, „die Antwort&#8230;&#8221;</p>
<p>Jaja, ich weiß schon, Bob. The Answer Is Blowing In The Wind.</p>
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		<title>Warum ich schon immer eine große Blondine sein wollte</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Aug 2012 20:50:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carlinemohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mohrenpost]]></category>
		<category><![CDATA[Barkeeper]]></category>
		<category><![CDATA[Blondinen]]></category>
		<category><![CDATA[Rheinland]]></category>

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		<description><![CDATA[Große Blondinen sind wie die langen Sommerferien. Sie sind der ferne Traum in dunklen Stunden und natürlich ständig überbucht. Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin 1,63 Meter groß und brünett. Mein Exfreund, der  Philosophielehrer, sagte manchmal: „Die einzige Frau, die &#8230; <a href="http://www.mohrenpost.de/2012/08/02/warum-ich-schon-immer-eine-grose-blondine-sein-wollte-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1493" class="wp-caption aligncenter" style="width: 1010px"><img class=" wp-image-1493 " title="Kate und Alf" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/08/Blondine.jpg" alt="Kate und Alf" width="1000" height="667" /><p class="wp-caption-text">Kate und Alf. (Foto: Anja Bleyl, große Blondine: Svea Vogel)</p></div>
<p>Große Blondinen sind wie die langen Sommerferien. Sie sind der ferne Traum in dunklen Stunden und natürlich ständig überbucht. Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin 1,63 Meter groß und brünett. Mein Exfreund, der  Philosophielehrer, sagte manchmal: „Die einzige Frau, die mir besser gefallen könnte, wärest Du in blond“.<span id="more-1489"></span></p>
<p>Ich habe ihn irgendwann verlassen. Nicht ohne ihn vorher mit seiner Arbeitsadresse bei einer fiesen Pornoseite anzumelden. Ich habe gehört, das humanistische Gymnasium im Kölner Norden bekommt bis heute den Newsletter vom Dirty Brunette Club.</p>
<p>Wenn ich ein kurzes Kleid ohne Absatzschuhe trage, sehe ich aus wie Alf im Dirndl. Also trage ich Pumps und eine Glanzstrumpfhose seidenfein. Außerdem ein getupftes Haarband, das meiner Frisur etwas Hepburniges verleihen soll. Es funktioniert nicht. Der Barkeeper will wissen, ob ich heute als Amy Winehouse gehe und <em>Stoff</em>  bräuchte. Super. Ich sehe also aus wie Alf, verkleidet als magersüchtige Cracknutte. Meine beste Freundin – langgliedrig und mit entzückenden dunkelblonden Löckchen -  steht in Ballerinas und gallefarbener Woll-Leggins neben mir. Und der Barkeeper fragt, ob sie die hübsche Schwester von Kate Moss sei. Wie ich das hasse.</p>
<p>Kleine Brünette sind und bleiben die Nebensaison. Die märkische Seenplatte im Oktober. Auch irgendwie schön. So für Kenner. Auf den zweiten Blick.</p>
<p>Ich wäre gerne mal der erste Blick. Das Klischee. Die große Blonde mit den kühlen Augen. Sexsymbol und Männertraum. Wenn ein Typ erzählt, dass seine Freundin groß und blond ist, muss er nichts hinzufügen. Große Blondine = heiß. Oder habt ihr schon mal einen Kerl mit prahlerischem Unterton sagen hören: „Meine neue Freundin ist eine kleine Brünette“!?</p>
<div id="attachment_1507" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1507" title="Ich geh mit meiner Laterne..." src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/08/Laterne-300x264.jpg" alt="Ich geh mit meiner Laterne..." width="300" height="264" /><p class="wp-caption-text">Ich geh mit meiner Laterne&#8230;</p></div>
<p>Ich war unlängst beim Frisör. Meine Haare sind jetzt rot. Wahrscheinlich bin ich damit im sexy-Klischee-Ranking der letzte Blick. Aber ich dachte mir: Lieber die rote Laterne, als gar kein Licht. Und vielleicht hat der Dirty Redhead Club ja auch einen Newsletter.</p>
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		<title>Servus Berlin, was ist das Problem mit deinem Nahverkehr?</title>
		<link>http://www.mohrenpost.de/2012/06/20/servus-berlin-was-ist-das-problem-mit-deinem-nahverkehr/</link>
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		<pubDate>Wed, 20 Jun 2012 15:47:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carlinemohr</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Schienenersatzverkehr]]></category>
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		<category><![CDATA[Verspätung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die S-Bahn In der Zeit, die ich durch den Berliner Nahverkehr verloren habe, hätte ich auch den Taxischein machen können. Oder ein Flugzeug bauen. Oder einen Tunnel durch ganz Berlin graben, in dem man auf niedlichen Mauleseln an sein Ziel &#8230; <a href="http://www.mohrenpost.de/2012/06/20/servus-berlin-was-ist-das-problem-mit-deinem-nahverkehr/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1440" class="wp-caption alignnone" style="width: 710px"><img class="size-full wp-image-1440" title="Das gelbe Übel" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/06/ServusB_BVG_Bahnfoto.jpg" alt="Das gelbe Übel" width="700" height="467" /><p class="wp-caption-text">Das gelbe Übel (Foto: Anja Bleyl)</p></div>
<p><strong>Die S-Bahn</strong></p>
<p>In der Zeit, die ich durch den Berliner Nahverkehr verloren habe, hätte ich auch den Taxischein machen können. Oder ein Flugzeug bauen. Oder einen Tunnel durch ganz Berlin graben, in dem man auf niedlichen Mauleseln an sein Ziel reiten könnte. <span id="more-1406"></span><br />
In meiner schlimmsten Rachephantasie hängt der verantwortliche Verkehrsminister derweil mit dem Kopf nach unten von einer defekten <a title="Chaos wegen defekter Oberleitung" href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/komplettausfall-zwischen-ostkreuz-und-ostbahnhof-chaos-bei-der-bahn-wegen-kaputter-leitung/6448482.html" target="_blank">Oberleitung</a> und muss hundert Mal den Satz „Wir wollen keine Stellwerkstörung!“ auf seine private Facebook-Pinnwand schreiben.</p>
<p>Nur, was hilft die schönste Rachephantasie, wenn die S-Bahn halt einfach wieder nicht kommt? Der „<a title="Der Strassenfeger" href="http://www.strassenfeger.org/mob-e-v/15-jahre-strassenfeger.html" target="_blank">Straßenfeger</a>“-Verkäufer ist auch genervt. Klar. Wie soll man sich an geregelte Arbeitszeiten gewöhnen, wenn das Büro quasi die Bahn ist und die <a title="Pannenserie" href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr/erneut-technik-gestoert-pannenserie-bei-der-s-bahn-reisst-nicht-ab/6657154.html" target="_blank">dauernd zu spät oder gar nicht kommt</a>? Ich schlage ihm eine Doppelseite über die blödesten Ausreden der BVG vor und spendiere uns einen Schnaps. Ein guter, wenn nicht sogar der beste Grund, warum man in Berlin sein Auto stehen lassen sollte.</p>
<p><strong>Die U-Bahn</strong></p>
<div id="attachment_1443" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img class="size-thumbnail wp-image-1443 " title="Bahnwowi" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/06/wowi-150x150.jpg" alt="Bahnwowi" width="150" height="150" /><p class="wp-caption-text">Foto: Anja Bleyl</p></div>
<p>Dann marschiere ich zur nächsten U-Bahn. Geht ja auch. Denkt man sich, ganz frohgemuter Neuberliner. Blöde Idee. Ein Schild vermeldet: „Schienenersatzverkehr“.<br />
Ich glaube ja, es sind schon komplette Familien für immer im Berliner Untergrund verschwunden, auf der Suche nach dem <a title="Ungeschützter Ersatzverkehr" href="http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article106214341/Willkommen-im-ungeschuetzten-Ersatzverkehr.html" target="_blank">Schienenersatzverkehr</a>. Es scheint der BVG ein heiliges Anliegen zu sein, ihre Hinweise verschlüsselt, verborgen oder gar nicht anzubringen. So nach dem Motto: „Wennste dir nüscht auskennst, biste selba schuld.“</p>
<p>Deshalb nehme ich – das habe ich mir bei echten Berlinern abgeguckt – die erstbeste U-Bahn, die zumindest nicht völlig in die entgegengesetzte Richtung meines eigentlichen Ziels fährt. Schön gelb ist die. Und die Sitze sind irre bunt gemustert. Wenn man die lange genug anstarrt und seine Augen auf „unendlich stellt“, erscheint übrigens Klaus Wowereit auf der Rückenlehne und grinst. Vielleicht liegts aber auch am Schnaps.</p>
<p><strong>Die Straßenbahn</strong></p>
<p>Ich höre auf, die Sitze zu fixieren und versuche herauszufinden, wo wir gerade anhalten. Gar nicht so einfach, wenn man die Ansage verpasst hat. Irgendein lokalpatriotisch verkappter U-Bahnwagenfenster-Designer hat nämlich das Brandenburger Tor kreuz und quer <a title="&quot;Logos sollen Zerkratzen verhindern&quot;" href="http://www.taz.de/!25865/" target="_blank">über die Scheiben gedruckt</a>. Versucht ihr mal durch die blickdichten Säulen zu erkennen, ob ihr gerade am Hermannplatz, am Humboldthain oder doch schon in Ostbrandenburg gelandet seid.</p>
<p>Mal ganz davon abgesehen, dass es keinen seriösen Eindruck macht, wenn man mit wirrem Blick durch seinen eigenen Make-Up-Fettfleck auf der Scheibe starrt und beim unerwarteten Anblick eines Vorgesetzten auf dem Bahnsteig brüllt: „Herr Müller, wo bin ich, wo bin ich?!?!?“</p>
<div id="attachment_1407" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1407  " title="Die Sache mit der Straßenbahn" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/06/BVG-300x225.jpg" alt="Die Sache mit der Straßenbahn" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Quelle: &#8220;Notes of Berlin&#8221;</p></div>
<p>Ich rufe bei der Arbeit an und sage, dass ich später zur Abendschicht komme. Müller ist ja auch noch nicht da. Meine letzte Hoffnung setze ich auf die Straßenbahn. Erschöpft studiere ich die Anzeigetafel. <a title="Notes of Berlin" href="https://www.facebook.com/photo.php?fbid=396467893732476&amp;set=a.151990958180172.28750.135730906472844&amp;type=1" target="_blank">Da steht</a>: „Kein Straßenbahnverkehr! Grund: Feierlichkeiten zum Sieg gegen Portugal!“</p>
<p>Ich gebe auf. Ich werde nach Ostbrandenburg ziehen, den Straßenfeger-Verkäufer heiraten und ein beschauliches Leben auf unserer kleinen Maultierfarm führen.</p>
<hr />
<div id="attachment_1419" class="wp-caption alignright" style="width: 220px"><img class="size-medium wp-image-1419   " title="Rolf Kuhl" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/06/Kuhl2-300x199.jpg" alt="Kabarettist Rolf Kuhl" width="210" height="139" /><p class="wp-caption-text">Kabarettist Rolf Kuhl</p></div>
<p><strong>Die Lieblingsrolle des Berliner Kabarettisten <a title="Rolf Kuhl" href="http://www.rolfkuhl.de/index2.html" target="_blank">Rolf Kuhl</a>: Kontrolleur der BVG. Er schlägt vor:</strong></p>
<p>&#8220;Hören wir endlich mit den halben Sachen auf: Nicht nur Fahrscheinautomaten aufstellen, sondern auch Autopiloten statt Busfahrer einsetzen, die S-Bahn auf Museumsbetrieb umstellen, Hartz-IV-Empfänger als Rikscha-Kulis ausbilden, den fahrgastfreien Nahverkehr bis 2016 als Schuldenbremse durchsetzen und das Kürzel BVG steht dann dafür, was heute schon viele vermuten:<br />
<strong>B</strong>in <strong>V</strong>orsichtshalber <strong>G</strong>eloofen.&#8221;</p>
<hr />
<p>Dieser Blogeintrag ist als Kolumne in der Welt Kompakt erschienen.</p>
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		<title>Servus Berlin, bist du wirklich arm, aber sexy?</title>
		<link>http://www.mohrenpost.de/2012/06/13/servus-berlin-bist-du-wirklich-arm-aber-sexy/</link>
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		<pubDate>Wed, 13 Jun 2012 15:12:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>carlinemohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mohrenpost]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland verrecke]]></category>
		<category><![CDATA[Heimat]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Fox]]></category>
		<category><![CDATA[Träume]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist es sexy, manchmal schmutzig zu sein? Wann habt ihr eigentlich das letzte Mal ein Stück olivgrüne Billig-Handseife mit der Käsereibe in die Waschmaschine gehobelt? Weil ihr keinen Cent für Vollwaschmittel übrig hattet? Ehrlich gesagt: Ich musste sogar mal die Seife &#8230; <a href="http://www.mohrenpost.de/2012/06/13/servus-berlin-bist-du-wirklich-arm-aber-sexy/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1382" class="wp-caption aligncenter" style="width: 594px"><img class="size-large wp-image-1382" title="Willst Du viel..." src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/06/armabersexy2-1024x682.jpg" alt="Willst Du viel..." width="584" height="388" /><p class="wp-caption-text">Willst Du viel&#8230; (Foto: Anja Bleyl)</p></div>
<p><strong>Ist es sexy, manchmal schmutzig zu sein?</strong></p>
<p>Wann habt ihr eigentlich das letzte Mal ein Stück olivgrüne Billig-Handseife mit der Käsereibe in die Waschmaschine gehobelt? Weil ihr keinen Cent für Vollwaschmittel übrig hattet? Ehrlich gesagt: Ich musste sogar mal die Seife aus der Kneipe nebenan klauen. Weil ich so pleite war. <span id="more-1234"></span></p>
<p>Ist das jetzt sexy? Bedingt, würde ich sagen. Einerseits roch meine Kleidung damals impertinent nach nativem Olivenöl <em>extra robusto. </em>Andererseits: Ich liebe verrückte Anekdoten.</p>
<p>Berlin gilt als Mutterstadt für schmutzige und schräge Anekdoten. Deshalb kommen sehnsuchtsvolle Menschen hierher. Sie wollen keine perwollweiche Geborgenheit, keine fleckentief gereinigte Perfektion. Sie wollen die Geschichten. Den Geruch nach Erlebtem. „Du bist verrückt, mein Kind, du musst nach Berlin.“ Sagte schon der Komponist Frank von Suppé.</p>
<p><strong>Sind Narben sexy?</strong></p>
<p><strong></strong>Steigt man in München an einer schicken Haltestelle wie dem Marienplatz aus, ertönt vom Glockenspiel des Rathauses das brahmsche Wiegenlied. Beim Bäckermeister gegenüber gibt es knusprige Butterbrezn.</p>
<div id="attachment_1266" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-1266 " title="Ansage." src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/06/verrecke2-300x200.jpg" alt="Ansage." width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Ansage. (Foto: Anja Bleyl)</p></div>
<p>Hält man in Berlin in einer ruppigen Gegend wie der Warschauer Straße, schreit ein Graffiti auf einem Dach jenseits der Brücke in meterhohen Buchstaben: „<a title="Leserbrief in der ZEIT" href="http://community.zeit.de/user/drelux/beitrag/2010/11/24/%E2%80%9Edeutschland-verrecke%E2%80%9C" target="_blank">Deutschland verrecke</a>!“. Ein paar Schritte weiter gibt es Currywurst mit Pommes, und der bettelnde Punk spielt Rio Reiser auf der Gitarre.</p>
<p>Da, wo Berlin nicht schick und repräsentativ sein muss, kokettiert die Stadt mit ihrer Rauheit, ihrer Trostlosigkeit, ihren Provisorien. Die <a title="Einschusslöcher" href="http://oberliner.de/2011/11/einschusslocher-spuren-des-zweiten-weltkrieges-in-berlin/" target="_blank">Einschusslöcher des Zweiten Weltkrieges in den Hausmauern</a> werden noch immer mit Würde getragen. Und die Menschen verbergen ihre Narben nicht. Berlin lockt als Heimat für die Heimatlosen. Für die Kaputten. Für die, die sich hässlich fühlen. „Ich verstehe dich“, scheint die Stadt zu flüstern.</p>
<p><strong>Ist es sexy, sich zu nehmen, was man will?</strong></p>
<p>Was Berlin wohl niemals zärtlich flüstern würde: „Gefällt dir das?“ Berlin knurrt eher: „Halt endlich die Klappe. Du willst es doch auch.“ Illegale Clubs, besetzte Häuser, Drogen, Anarchie – Berlin nimmt sich, was es braucht. Projekte statt Jobs und Ratlosigkeit, die das abgewetzte Mäntelchen Selbstverwirklichung tragen. Überall Menschen, die es hier irgendwie „schaffen wollen“. Bad Boy Berlin hat traurige Augen.</p>
<p>Aber du kannst nicht einfach nach Hause gehen, denn Berlin ist kein One-night-Stand. Berlin ist diese Hass-Liebe, die dich immer wieder einfängt, loslässt, sich aufdrängt, dir die kalte Schulter zeigt. Manchmal bist du nicht ganz sicher, ob es dir gefällt. Spielt auch keine Rolle, weiß Peter Fox: „Doch die Sonne geht gerade auf. Und ich weiß, ob ich will oder nicht, dass ich dich zum Atmen brauch.“ <a title="Schwarz zu blau - Peter Fox" href="http://www.youtube.com/watch?v=yphwzD1XaBY" target="_blank">Guten Morgen Berlin</a>.</p>
<p><strong>Ist es wirklich sexy, zu hoffen?</strong></p>
<div id="attachment_1237" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-thumbnail wp-image-1237    " title="Volltreffer" src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/06/einschusslöcher-150x150.jpg" alt="Foto: Aina Climent" width="200" height="266" /><p class="wp-caption-text">Foto: Aina Climent</p></div>
<p>Berlin kann wie eine Wand sein. Man kommt her und hofft auf die Geschichten. Man hofft darauf, dass die Narben heilen, dass man frei ist und am Ende etwas findet. Und knallt gegen eine Wand. Die Einschusslöcher zielen auf dein Herz. Man müsste auf Zehenspitzen durch die Straßen der großen Stadt schleichen, um sich nicht zu schneiden an den Scherben der zerbrochenen Träume. Die kann auch Berlin nicht heilen.</p>
<p>Und ganz heimlich wünscht man sich hin und wieder eine frische Butterbreze. Oder eine große  Flasche Vollwaschmittel.</p>
<hr />
<div id="attachment_1344" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><img class="size-medium wp-image-1344 " title="„Suspended in Gaffa“ " src="http://www.mohrenpost.de/wp-content/uploads/2012/06/berlinfabrik1-300x223.jpg" alt="„Suspended in Gaffa“ " width="250" height="230" /><p class="wp-caption-text">„Suspended in Gaffa“</p></div>
<p><strong>Es antworten <strong>Nadine Vollstädt &amp; Martin Mai von</strong> Berlinfabrik, <a title="Berlin Fabrik" href="http://www.berlinfabrik.de/" target="_blank">Kunst, Mode und Bier aus Downtown Neukölln</a>:</strong><strong> </strong><em>„Mit Berlin ist es manchmal wie mit deinem alten Lieblingsshirt. Es hat Flecken, die nie ganz rausgehen, Brandlöcher, die dich an wilde Nächte erinnern. Es gibt kein schickes Label im Kragen, kein Markenlogo auf der Brusttasche. Und trotzdem trägst du es mit Stolz. Denn wenn du es anhast, fühlst du dich unglaublich sexy.&#8221; </em></p>
<hr />
<p>Fotos: <a title="Anja Bleyl" href="http://www.anjableyl.de/" target="_blank">Anja Bleyl</a>. Dieser Blogeintrag ist als Kolumne in der<a title="Welt Kompakt" href="http://www.welt.de/services/article7775072/WELT-KOMPAKT.html" target="_blank"> Welt Kompakt</a> erschienen.</p>
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