Meine Antwort an eine
besorgte Bürgerin

Worum es geht – Credit: @TorstenBeeck

Ich bin Journalistin und ich bekomme häufig Nachrichten von Menschen, die ihre Sorgen mit mir teilen wollen. In letzter Zeit geht es häufig um Flüchtlinge. Es geht um Angst und Wut. 

Ich antworte an dieser Stelle auf die heutige Nachricht einer besorgten Bürgerin. Emotional. Mit fliegenden Fingern geschrieben. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Pegida zu verhöhnen. Sich über die Dummheit von Hooligans lustig zu machen. Geschichten zu teilen, in denen der Rassismus der Bürgerwehren vorgeführt wird. Ich finde das alles gut und wichtig. Aber ändert sich dadurch etwas im Kopf der „besorgten Bürger“? Ich habe einem jungen Mädchen namens Janina heute zurückgeschrieben. Ganz unironisch. Weil ich genau das zumindest mal versuchen wollte. 

Liebe Janina*

Es tut mir leid, dass du es gerade nicht leicht hast. Dass Du dich in deinem eigenen Dorf nicht wohl fühlst. Sich Sorgen machen zu müssen ist nie schön.

Das Problem

Deine Nachricht hat mich erschreckt. Ich sehe: Du hast Angst. Ich sehe in deinen Zeilen aber auch: Vorurteile. Ich antworte dir, weil ich dir erklären möchte, warum ich die Situation aus einer anderen Perspektive sehe.

Sind alle Flüchtlinge kriminell?

Ich habe das Gefühl, dass Du alles Negative, was in Bramsche passiert, sofort mit den Flüchtlingen verbindest. In deinem Kopf findet ein Automatismus statt: Jemand klaut – das muss ein Flüchtling sein! Jemand mit dunkler Hautfarbe ist in der Nähe meines Hauses – bestimmt ein Flüchtling, der etwas klauen will!

Vorurteil

Vorurteil

Ich stelle mir deinen Gedankengang in etwa so vor: Andere Hautfarbe =  Ausländer = Flüchtling = kriminell. Wie konnte es zu dieser Gleichung kommen? Wahrscheinlich, weil du dich allein gelassen fühlst. Sich niemand um eure Sorgen kümmert. Und weil in deiner Wahrnehmung die Probleme erst mit dem neuen Flüchtlingsheim begonnen haben.

Die Gleichung im oberen Absatz ist aber gar keine Gleichung. Sie ist ein Vorurteil. Ein rassistisches Vorurteil. Ein Vorurteil ist deshalb schlecht, weil es Menschen mit Hass auflädt. Weil es verhindert, dass man offen und fair miteinander umgeht. Ein Vorurteil sorgt dafür, dass man immer das Schlechteste voneinander denkt. So entsteht eine Umgebung aus Misstrauen, Angst und Wut.

Bist du eitel und dumm?

Ich sehe in deinem Facebookprofil, dass Du eine junge Frau bist, die sehr auf ihr Äußeres achtet. Auf deiner Pinnwand schreibst Du von Schmerz, Abstand und dass Du dich zwischen „dem und dem“ entscheiden musst.

Liebe Janina, ich glaube Du bist eine oberflächliche und eitle Person. Ich glaube, Du machst dir ziemlich wenig Gedanken um die Welt. Deine Rechtschreibung ist ein Desaster. Ich glaube, du bist dumm, unreflektiert und geltungssüchtig. Kein Wunder, dass es mit dir und den Männern nicht klappt.

Bist du jetzt wütend?

Hast du gemerkt, was gerade passiert ist? Ich habe mir ein Urteil über dich erlaubt. Einfach so. Aufgrund von ein paar Eindrücken. Bist du gerade empört? Ich hoffe es! Denn das, was ich dir an den Kopf geworfen habe, ist nicht besonders fair. Ich kenne dich nicht. Vermutlich bist du ein junges hübsches Mädchen, das viel und gerne lacht. Das schnell tippt und dem der Inhalt wichtiger ist, als ein paar Kommata. Ein Mädchen, dem mal das Herz gebrochen wurde und das eigentlich nur das Beste verdient.

Manchmal ist es schwer, Menschen eine faire Chance zu geben. Richtig schwer. Und Menschen haben es gerne leicht. Deshalb beurteilen Sie das, was sie sehen. So entsteht Unrecht.

Flüchtlinge

Die meisten Flüchtlinge in Deutschland kommen aus Syrien. In Syrien tobt ein Bürgerkrieg. Es geht darum, wer die Macht im Land hat. Amnesty International spricht von schweren Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverstößen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Stell dir vor, deine Schwester wird vor deinen Augen vergewaltigt. Stell dir vor, dein Vater wird auf dem Weg zur Arbeit von einer Bombe zerfetzt. Stell dir vor, du kommst nach Hause und alles ist niedergebrannt. Stell dir vor, dass alles, was du kanntest und liebtest nicht mehr da ist.

Stell dir vor, du hast Angst. Jeden Tag. Stell dir vor, du kannst nicht mehr schlafen. Weil du diese schrecklichen Bilder nicht aus dem Kopf bekommst. Weil du jemanden vermisst. Stell dir vor, du musst fliehen. Egal wohin. Irgendwohin, wo du nicht mehr jede Sekunde um dein Leben fürchten musst. Und jetzt stell dir vor, du bist geflohen. Irgendwohin. Du verstehst die neue Sprache nicht.  Wohnst mit fremden Menschen auf engstem Raum zusammen. Du weiß nicht, wie es weiter geht. Du hast immer noch diese Bilder Kopf. Und du vermisst dein Zuhause. Deine Familie. In jeder einzelnen verdammten Sekunde.

Wunder
Wunder

Jeder zweite Flüchtling am Bahnhof fragt dich, ob du ihn heiraten willst? Sie fragen dich, weil sie Angst haben. Sie haben Angst, dass sie zurück geschickt werden in das Land voller Gewalt, Blut und Hilflosigkeit. Sie wissen, wenn sie jemanden finden, der sie heiratet, dürfen sie bleiben.

Ob sie wirklich glauben, dass du „ja“ sagst? Ich habe keine Ahnung. Vielleicht. Woran glauben Menschen, wenn sie keinen Ausweg mehr sehen? Sie glauben an ein Wunder. So sind Menschen. Bevor sie aufgeben, glauben sie an ein Wunder. Dich zu fragen, ob  du heiraten willst, ist vielleicht unsinnig. Verzweifelt. Dumm. Aber kann man jemandem, der verzweifelt auf ein Wunder hofft, wirklich in die Augen schauen und sagen: „Verpiss dich, Du Dummkopf!“?

Vielleicht könnte man einfach lächeln und sagen: „Nein. Auf keinen Fall. Aber ich spendiere dir einen Kaffee, wenn du möchtest.“ Es muss ja nicht immer ein großes Wunder sein. Diese Menschen brauchen jedes Zeichen, das sie kriegen können. Und ein heißer Kaffee kann manchmal wie ein kleines Wunder sein.

Kraft

Ich sage gar nicht, dass es leicht ist. Es ist selten leicht, ein guter Mensch zu sein. Ein erster Schritt könnte sein, die Kraft aufzubringen, den Automatismus im Kopf bewusst auszuschalten. Wenn deinem Nachbarn das Handy aus dem Auto geklaut wird – versuch nicht sofort an Flüchtlinge zu denken. Wenn vor eurem Haus ein altes Auto steht – versuch nicht sofort zu denken, dass die Flüchtlinge es anzünden und euer Haus niederbrennen werden. Wenn deine Schwester vom Fahrrad geschubst wird – unterstelle nicht sofort, dass es ein Flüchtling  war, der das mit böser Absicht gemacht hat. Das sind die Vorurteile. Nimm dir die Kraft, in deinem Kopf für eine faire Chance zu kämpfen.

 Wahrheit

„Aber“, wirst du vielleicht fragen, „was wenn ich am Ende doch recht behalte? Was, wenn sie wirklich das Handy geklaut haben? Das Auto anzünden? Die Schwester schubsen und den Schaffner verprügeln?“ Dann, liebe Janina, brauchst du nochmal viel Kraft.

Du schreibst, dass das Heim überfüllt ist. Aber ist das die Schuld der Flüchtlinge? Nein. Sie haben es sich nicht ausgesucht, dass in ihrem Land ein schrecklicher Krieg tobt. Sie haben sich den Ort, an dem sie jetzt leben nicht ausgesucht. Gibt es kriminelle Flüchtlinge? Bestimmt. Schwarze Schafe gibt es immer und überall. Aber die meisten Flüchtlinge sind einsam. Traumatisiert. Und sie haben oft nicht das Gefühl, dass sie hier willkommen sind. Überall in Deutschland brennen Flüchtlingsheime. Anwohner begrüßen sie mit Plakaten: „Wir wollen euch hier nicht!“ Der Alptraum dieser Menschen geht weiter. Was muss das für ein entsetzliches Gefühl sein? Du brauchst die Kraft, diese Dinge niemals zu vergessen. Egal, was passiert.

Die Wahrheit ist: Es läuft viel falsch mit den Flüchtlingen in unserem Land. Aber das ist nicht ihre Schuld. Es ist ein Problem, das tief in unserer Asylpolitik verankert ist. Und wer ist schuld an einer schlechten Asylpolitik? Nicht die Flüchtlinge.

Was kannst du tun?

Diese Menschen mit ihren Alpträumen, ihrer Trauer und ihrer Hoffnungslosigkeit sind jetzt eben hier. Uns sie brauchen uns. Sie brauchen eine faire Chance. Sie brauchen die kleinen und die großen Zeichen. Du brauchst niemanden nett finden, der dich beklaut, bedroht oder belästigt. Völlig unabhängig davon, welche Hautfarbe er hat. Ob er dein Nachbar, ein Gastarbeiter, ein Bekannter oder ein Flüchtling ist.

Du schreibst, dass ihr es jetzt schwer habt und die Beschaulichkeit eures Dorfes in Gefahr ist.  Was ist die Lösung? Jeden Flüchtling misstrauisch zu beäugen, eine Bürgerwehr einzurichten oder Anschläge zu verüben? Damit sie verschwinden und alles wieder so wird wie früher? Ich glaube nicht, dass das die richtige Lösung ist.

Ich glaube daran, dass Menschen zusammenhalten müssen. Ich glaube daran, dass sich Beschaulichkeit verändern kann, ohne dass Hass und Angst entstehen. Ich glaube daran, dass aus Gutem Gutes entsteht. Vielleicht wird es nie mehr wie früher. Vielleicht wird es besser. Vielleicht wirst DU besser. Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die Brücken bauen können. Die Dinge verändern.  Die Zeichen setzen können. Die es schaffen, größer und weiter zu denken als so viele andere Deutsche.

Du könntest ein paar Artikel zum Thema Flüchtlingspolitik lesen, um zu verstehen, wie es zu den aktuellen Problemen kommen konnte. Es hilft dir zu verstehen, warum die Heime überfüllt sind. Es hilft dir, das Leid der Menschen zu verstehen.

Du könntest dich beim Flüchtlingsheim melden und fragen, ob du irgendwie helfen kannst. Ob du kleinen Kindern Nachhilfe geben kannst. Du könntest fragen, ob Klamotten benötigt werden.

Du könntest mit den Flüchtlingen reden. Sie fragen, woher sie kommen. Warum sie fliehen mussten. Wie sie sich fühlen.

Die Hoffnung

Im Moment sind diese Menschen fremd für dich. Eine potentielle Bedrohung. Aber ihr seid jetzt Nachbarn. Ihr wohnt jetzt gemeinsam in Bramsche. Ob ihr wollt oder nicht. Warum macht ihr nicht das Beste daraus? Wenn du sie kennen lernst, ihre Geschichte und ihre Gefühle, ihren Humor und ihre Stärke, dann wirst du vielleicht viel weniger Angst haben. Vielleicht ist dein letzter Gedanke vor dem Einschlafen nicht: „Hoffentlich verschwinden die bald wieder“. Vielleicht denkst du: „Hoffentlich hat die kleine Faizah heute Nacht keine Alpträume.“

Liebe Janina, so viele lange Sätze. Was ich eigentlich sagen will: Kämpfe um dein Dorf! Aber tu das gemeinsam mit den Flüchtlingen. Und nicht gegen sie! Dann gehörst du zu diesen ganz besonderen Menschen, durch die die Welt ein bisschen besser werden kann.

Ich habe dir eine Liste mit Links beigefügt, die ich nützlich finde. Mit Informationen und Beispielen, wie Integration funktionieren kann.

Herzlich,
deine Carline Mohr

* Name geändert.
** Ich habe ihr diese Nachricht bei Facebook geschickt. Sie hat nicht geantwortet.
Sie hat mich geblockt.

Wie Zusammenleben mit Flüchtlingen aussehen kann
Wie Flüchtlinge sich in größte Gefahr begeben – auf der Suche nach dem Glück
Wie man helfen kann
Probleme der Asylpolitik
Eine Liste, die sich mit Vorurteilen gegen Flüchtlinge beschäftigt
12 Momente, in denen Deutschland ein Herz für Flüchtlinge zeigte
In welcher entsetzlichen Hetze Vorurteile gegen Flüchtlinge enden kann.
Warum die Flüchtlingsdebatte gerade explodiert
Wie es syrischen Flüchtlingen geht
Die Verletzung der Menschrechte

58 Gedanken zu “Meine Antwort an eine
besorgte Bürgerin

  1. Guten Tag Frau Mohr,

    ich glaube Sie sind sich der Lage in dem besagten Asylbewerberheim überhaupt nicht bewusst. Dort sind nicht überwiegend Kriegsflüchtlinge untergebracht, sondern Balkan bzw. Wirtschaftsflüchtlinge (zu großen Teilen junge Männer im Alter von 20-30 Jahren). Wie kann es sein, dass dieses Heim zu drei viertel aus jungen Männern besteht? Gibt es keine Frauen, die aus reiner Not und Krieg fliehen? Doch natürlich, die gibt es… aber nicht vom Balkan, sondern aus Syrien oder Eritrea.
    Bevor Sie sich ein Urteil über die Zustände in dem Ort fällen, sollten Sie vielleicht mal selbst dort für einige Zeit leben… dann wissen Sie, dass die von der jungen Frau angesprochenen Sachen keine Vorurteile sind, sondern Fakten!
    Ich habe absolut nichts gegen Flüchtlinge (wegen Krieg oder Verfolgung) und bin weiß Gott nicht rassistisch, ich denke nur, dass Sie ein falsches Bild über einige Flüchtlinge haben…

    MfG

    • Die erste Antwort, die mir auf diesen Kommentar einfällt, ist: “Wirtschaftsflüchtlinge? So wie die Ossi es, die Deutschland 90 überschwemmten?” Aber dann wäre ich auf Deinem Niveau und da will eins ja lieber nicht hin. Aber wo wurde eigentlich festgelegt, daß Armut und Hunger keine Nöte seien? Es gibt keinen Asylmißbrauch. Wirtschaftsflüchtling ist ein Kampfbegriff der extremen Rechten. Jedes muß für sich selbst entscheiden, ob es sich unreflektiert zum Werkzeug der Nazis machen möchte.

      • Ja ja ,Super lasst alle rein auch die 1 Milliarde Chinesen ,die ja in einer Diktatur leben und die Amen aus Afrika und SuedAmerika ! Armut ist ja ein Asylgrund!

      • Puuh, jetzt haben Sie aber alle Geschütze der Demokratie aufgefahren. …Gehen ganz fair mit den Einstellungen und Meinungen der Andersdenkenden um! Super!!!
        Das ist genau der richtige Umgang. Statt ernsthaft mit Ängsten umzugehen, diese einfach weganalysieren. Jemanden, der die Beschaulichkeit seinen Dorfes zurueck haben will, einfach sagen ” Ich glaube nicht, dass das die richtige Lösung ist.”.
        Genau so wird das funktionieren!

      • @Walsonde:

        Das ist doch nicht Ihr Ernst, dass Sie eine gewachsene Schicksalsgemeinschaft durch Ihren reißerischen Kommentar mit Menschen aus aller Herren Länder gleich setzen und so spalten wollen?

        Die Deutschen sind ein Volk, welches zerrissen wurde und zum Glück wenigstens teilweise wieder zusammen gefunden hat! Sie relativieren die Tatsachen um einen Grund für uneingeschränkte Einwanderung zu finden und vergleichen Äpfel mit Birnen.

        Es ist ganz klar geregelt, wer Anspruch auf Asyl hat. Nur, weil die Gesetze, nicht umgesetzt werden (können), heißt es nicht, dass dieses System zum Leidwesen derer ausgenutzt werden sollte, die wirklich flüchtige sind!

        Durch Uneinsichtigkeit und Missbrauch stirbt die Toleranz für richtige Flüchtlinge.

        Zitat: “Aber wo wurde eigentlich festgelegt, daß Armut und Hunger keine Nöte seien?”
        >> Per Definition ist ein Flüchtling nicht durch das genannte definiert!

    • Das berühmte “aber” – ein kleines Wort, das so viel mehr verrät..
      Ihr Kommentar ist erschütternd und unfair gegenüber all denjenigen Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen und in Angst um ihre Familien leben, Andreas. Ich habe gleich mehrere Fragen: Wissen Sie um die Situation in besagten Flüchtlingsheimen und denken Sie, es ist angebracht, aus dem warmen Nest über die Umstände zu urteilen? Was ist ein Balkanflüchtling und wieso benutzen Sie einen so negativ behafteten Begriff wie “Wirtschaftsflüchtling”?

      In keinem einzigen Fall sind diese Menschen aus freien Stücken aus ihrer Heimat geflohen, sondern sahen sich in ihren Herkunftsländern unhaltbaren Missständen gegenüber, denen sie anders nicht zu begegnen wussten, als sich auf eine unsichere und belastende Reise zu begeben, die von existenziellen Ängsten und Feindlichkeit begleitet wird.
      Ich bitte Sie darum, sich – genauso, wie Sie es Frau Mohr raten – zu informieren, bevor Sie sich äußern.
      Eigentlich tue ich das nicht gerne, aber ich hoffe darauf, dass das zumindest Ihre Wortschöpfung infragestellt: ich schicke hier einen Link zum Tagesschau-Artikel von heute morgen mit. Ich würde mir wünschen, dass das dazu anregt, eine differenzierte und empathische Auseinandersetzung über die Situation jedes einzelnen Geflüchteten zu beginnen, die so viel wichtiger ist als das Gegenüberstellen von “echten” und “unechten” Flüchtlingen.

    • “Dort sind nicht überwiegend Kriegsflüchtlinge untergebracht, sondern Balkan bzw. Wirtschaftsflüchtlinge”
      –> Balkenflüchtling = Wirtschaftsflüchtling. Danke, dass du den Witz deines Beitrags frühzeitig auflöst. Ich wäre sonst schockiert über ein solches Niveau an gedanklicher Grobschlächtigkeit.

      “Bevor Sie sich ein Urteil über die Zustände in dem Ort fällen, sollten Sie vielleicht mal selbst dort für einige Zeit leben”
      –> Das ist hingegen korrekt. Wie wäre es, wenn du dir vor Ort ein Bild machst, bzw einige Zeit selbst dort lebst? Zum Beispiel im Balkan. Fahr doch mal nach Ungarn und mach dir dein Bild davon, wie auf offener Straße geduldeter Rechtsextremismus praktiziert, d.h. ausländisch aussehenden Menschen straflos ins Gesicht gespuckt wird. Wenn sie Glück haben.
      Oder du pendelst zwischen Rumänien und Bulgarien hin und her – ein Traum von einem Ort. Es sei denn, man gehört der soziokulturellen Minderheit der Sinti und Roma an. Dann muss man mit tagtäglicher (behördlicher) Diskriminierung rechnen. Für das Erbe der Geburt.
      Der Kosovo ist auch ein nettes Pflaster… zeithistorisch betrachtet mindestens genauso stabil wie seine Nachbarn, aber das muss ich einem so weltgewandten Menschen sicher nicht erzählen ;).

      Und wenn du von deiner Reise zurückkehrst, geht dir vielleicht das Licht auf, dass du nichts, aber auch nicht das geringste dafür getan hast, das Land in dem dich deine Mutter auf die Welt gebracht hat, DEINES nennen zu können. Du lebst zufällig in Deutschland. Wenn du dir den Finger ratschst kommt Papa Staat und bettet dich auf Mull. Bitte nimm Abstand von einer Geisteshaltung, in dem du eine Kultur, ein Territorium, eine Ordnungsvorstellung in deinen Leistungsbereich zu verschieben trachtest. Ohne mediale Beihilfe würdest du nicht einmal die sinnvolle Neuverwendung deiner Steuergelder bemerken, über deren Entfremdung sich deine Zunft so gern empört.

      • BRAVO!
        …und danke für die wahren Worte. Ich bin mit einem Mann verheiratet, der mit 13 Jahren vor dem Krieg in Bosnien geflohen ist. Kurz davor ist sein Onkel in einem Massaker gestorben, sein kleiner Cousin ist vor seinen Augen auf eine Mine getreten und gestorben, die Mutter wurde auf der Flucht vergewaltigt – auch vor den Augen ihrer Kinder. Die Gräueltaten, die viele Menschen erleben müssen, sind fast nicht zu beschreiben, die Wunden des Erlebten bleiben aber oft ein Leben lang und hier in Mitteleuropa sind wir ausgerechnet diesen Menschen gegenüber gehässig und arrogant. Wie war das nochmal “die Welt zu Gast bei Freunden”?
        Danke, dass Du es auf den Punkt bringst!

    • Ihr mit euren Wirtschaftsflüchtlingen. Als ob Sie das beurteilen dürfen/könnten und als ob das sinnvoll wäre? Was ist denn ein Wirtschaftsflüchtling? Und was ein politisch Verfolgter? Ein politisch Verfolgter kann im Ernstfall einfach seine Klappe halten und lebt ganz anständig. Ein Wirtschaftsflüchtling hat ggf. kein Geld um Essen zu kaufen und verreckt.

    • Lieber Andreas
      Warum dort v.a. junge Männer leben? Die Antwort ist in jedem Krieg und Konflikt dieselbe: Am Anfang hauen diejenigen ab, die jung, stark und frei sind – d.h. die jungen Männer. Hat was Logisches, nicht? Wenn eine Gesellschaft in Krieg, Erschütterungen, Katastrophen, Tod und Unheil abgleitet, dann verschwinden ganz schnell die Starken, die Reichen, die Jungen, die Freien, die Ungebundenen, Diejenigen ohne Verantwortung, die Bedrohten und zum Kriegsdienst eingezogenen. Und weil Frauen, Kinder, Familien und Alte in der Regel nicht zu diesen Kategorien gehören, sind es eben die jungen Männer, die zuerst fliehen – fliehen können. Darum sind bei jeder Flüchtlingswelle zuerst die jungen Männer übervertreten. Und ja: Das führt auch zu Problemen: Denn junge Männer haben viel Energie, Ambition, auch Dummheit und Unerfahrenheit. So beginnen dann Manche von ihnen krumme Dinge zu treiben – einfach weil sie die Energie, Intelligenz, Dummheit und Zeit haben, dies zu tun. (Beispielsweise wird in den meisten westlichen Ländern der Drogenmarkt jeweils von der letzten Welle junger Männerflüchtlinge beherrscht…). Und was kann man da machen? 1. Repression der Kriminalität und nach Möglichkeiten verfolgen (aber der wöchtentliche “Tatort” und die Realität lehrt uns ja, dass sowas nur sehr begrenzt klappt, u.a. weil einfach zuviele Drogenkunden existieren); 2. Integration dieser jungen (energievollen und kräftigen) Männer in den Arbeitsmarkt, damit sie was Sinnvolles tun und ehrlich ihren Lebensunterhalt verdienen können (aber da heisst es dann schnell mal, dass die uns die Jobs wegnehmen); 3. Familiennachzug fördern, damit einerseits auch die schwachen und bedrohten Frauen, Kinder, Alte, Familien Aufnahme finden, und damit andererseits eine soziale Kontrolle über die jungen ungestümen Männer stattfindet, innerhalb der Flüchtlingsgemeinschaft (junge Männer, die mit einem Onkel oder Vater oder einer Mutter oder Tante und der kleinen Schwester leben, machen substantiell weniger Blödsinn im Leben). So “einfach” – bzw. so komplex ist es. Punkt. Schluss.

  2. Danke für diesen Text! :)

    Ich kann mir vorstellen, weshalb dir dieses Mädchen nicht geantwortet hat. Du hast ihre kleine gedankliche Welt zerstört. Dabei hatte sie doch ihre eigenen Ängste und Unsicherheiten auf Dritte übertragen.

    Ich werde mir erlauben, diesen Text weiter zu teilen.

    Danke!
    Martina

  3. Hi Carline,
    ein sehr schön geschriebener Text, ich habe ihn komplett zu Ende gelesen und das ist selten geworden. Also ich wollte dich einfach nur loben!
    Herzliche Grüße
    Max.

  4. Minderjährigen Mädchen den Tipp geben sie sollen Erwachsenen Fremden Männer von denen sie gerade genötigt worden sind denen erstmal einen Kaffe ausgeben, ähm gehts noch,die Eltern werden sich freuen.Die Verzweiflung dieser Leute gibt denen noch lange nicht das recht Mädchen sexuell zu belästigen und nichts anderes ist das meiner Meinung nach wenn Erwachsene Männer minderjährige Mädchen anquatschen ob sie sie Heiraten möchten.In so einem Fall dringend die Polizei rufen.

    • Mein Tip: Text noch einmal lesen. Sexuell war erstens nichts dabei, es ging um unbefristeten Bleiberecht wegen der Ehe mit einer Deutschen. Zweitens kann man das mit dem Kaffee auch symbolisch sehen. Wenn Sie eine Frau oder einen Mann auf einen Kaffee oder Bier einladen, um mit ihr / ihm einfach nur ein gutes Gespräch führen zu können und der ruft gleich die Polizei, was würden Sie da denken?
      Man findet immer irgendwas, um gegen irgendwas zu sein, genauso viel findet man aber auch dafür.

  5. Sehr geehrte Frau Mohr,

    auf der einen Seite werfen Sie der jungen Frau Vorurteile vor, auf der anderen Seite beurteilen Sie die Aussagen der jungen Frau aus der Distanz. Ist das nicht auch schon Aufbau von Vorurteilen?

    Mein Vater ist selber Flüchtling, mein Trauzeuge und bester Freund ist Ausländer – das vorweg. Ich denke, dass die Wahrheit – wie bei vielen Dingen – in der Mitte liegt.

    Angst ist subjektiv. Wenn die junge Frau Angst hat, weil sie am Bahnhof häufig angesprochen wird (“willst Du mich heiraten”…), dann können Sie das nicht einfach damit abtun, die Hintergründe dieser Ansprachen zu erörtern oder Websites zu verlinken. Fahren Sie einmal alleine nach Indien und gehen Sie dort früh morgens oder abends alleine auf einen Dorfbahnhof. Berichten Sie dann mal von Ihren Erfahrungen. Wenn dann jemand in einem Forum antwortet: “Sie müssen die Menschen dort verstehen, in Indien ist der Maskulinitätsindex höher als in Deutschland und es gibt das Kastensystem….” und hier sind die Links “Reisetipps für Indien”. Wie würden Sie sich dann fühlen, wenn Ihre Angst (egal ob gerechtfertigt oder nicht) nicht ernst genommen wird. Angst ist subjektiv. Angst ist Angst. Und das ist zu respektieren.

    Welche Gründe hat nun diese Angst? Oft bilden sich die Medien hier (und meines Erachtens auch Sie) zu schnell ein Urteil. Die Formel ist einfach: fremd = unbekannt = gefährlich = Angst = Rassist.

    Aus meiner Sicht ist das aber nicht so einfach, vor allem, da das Prinzip “mitgehangen – mitgefangen” immer noch eine starke Verbreitung in Deutschland hat. Bei uns in der Region wurden in den letzten Wochen 3 Diebesbanden dingfest gemacht. Alle stammten aus dem Balkan. Ein hier lebender Freund und Vater des besten Freundes meines Sohnes, Rumäne, völlig integriert, spricht grammatikalisch sehr gutes Deutsch aber mit osteuropäischem Akzent… bekommt “komischer Weise” in manchen regionalen Angelvereinen plötzlich keine Tageskarten mehr – teils unter abenteuerlichsten Absagegründen.

    Mitgefangen – mitgehangen. Die Angst entwickelt sich auf Basis des Fehlverhaltens EINZELNE “Menschen mit Migrationshintergrund”. Die anderen müssen darunter leiden. Würde die Regierung stärker gegen hier in Deutschland (statistisch nachweislich) steigende “Ehrenverbrechen”, Diebesbanden, Drogenmafia, organisiertes Betteln, gefährliche Körperverletzung…. aber auch gegen radikales Verhalten (reschtsradikal, Hass predigen, linksradikal wie das Anzünden von Autos etc.) vorgehen, wäre viel dieser Angst genommen.

    Als zweites ist es nicht nachvollziehbar, warum Asylbewerber an manchen Stellen in unfassbar großen Zahlen und woanders gar nicht aufgenommen werden. Bei uns im Dorf (6500 Einwohner) gibt es eine gut “handle-bare” Zahl von Zuwanderern. “Handle-bar” weil:
    - vglw. einfach unterzubringen
    - es gibt keine türkische, albanische, syrische oder sonstige Parallelgesellschaft, in der die Menschen ohne Deutsch zu lernen klar kommen können
    - hier MÜSSEN die Leute die Sprache lernen und sie tun es auch… keiner, der länger als zwei Jahre hier ist und nicht gut Deutsch spricht
    - die Arbeitgeber der Umgebung können die Mitbürger aufnehmen, das Argument “der nimmt uns die Arbeit weg” kommt nicht auf
    - Schulen können die Kinder besser integrieren

    Hunderte oder gar tausende Flüchtlinge in einem Dorf oder kleinen Stadt unterzubringen, führt zu Lagerkoller, Streit und nicht “handle-barer”-Integration.

    Ich finde, Sie machen es sich mit Ihrer Ableitung “fremd – Angst – Rassist” ein wenig zu einfach. Sie erklären aber gehen auf die subjektiven Ängste gar nicht ein.

    Damit bewegen Sie meines Erachtens LEIDER nichts.

    Mit freundlichen Grüßen

    • Sehr gut zusammengefasst. Dem kann ich nur beipflichten. Diese Ängste kleinzureden oder sie der Fragenstellerin abzusprechen behebt das Problem nicht. Im Gegenteil: SO werden die Ängste in den Hintergrund geschoben, nicht mehr hinterfragt oder diskutiert und entwickeln sich leicht zu Vorurteilen. Es zeugt zudem von nur wenig Respekt und Empathie der Fragenstellerin gegenüber die Eigene Meinung derart in den Vordergrund und sie teils wie ein kleines Kind zu belehren. Den Wissenstand und die Erfahrungen der Jungen Dame in diesem Bereich konnte ich jedenfalls nicht herauslesen – den haben sie aus meiner Sicht unterstellt, das riecht dann doch sehr nach Vorurteilen statt Verständnis. Ist das nicht genau das was wir nicht wollen? Keine Monologe sondern Dialog?

  6. sorry…selten so einseitige und polemische texte gelesen. hier wird eine meinung oder entstanderner eindruck regelrecht auf niedrigster ebene niedergemacht.
    so oder ähnlicher methoden bedienen sich auch leute aus der ganz rechten ecke…

    • Dann hast Du den Text nicht verstanden.
      Könnte natürlich auch sein, dass Du zu den Menschen gehörst, die sich ganz fest eine Meinung gebildet haben.
      Lass Dir dennoch mal ins Poesiealbum schreiben: Rassismus ist keine Meinung. Rassismus ist ein Ausdruck von Herzlosgkeit, fehlender Empathie und der Angst, dass man etwas verlieren könnte.
      Niemand muss vor Asylbwerbern mehr Angst haben als vor anderen Menschen. Eigentlich habe ich vor diesen “anderen” Menschen mehr Angst. Vor dem Hass dieser Menschen, der nicht enden wird. Der uns ein neues Solingen, eine neue NSU bescheren wird.

  7. “Nach einer vorliegenden Auswertung des Bundeskriminalamtes (BKA) steigt die Kriminalität unter Asylbewerbern stark an. So hat sich ihr Anteil an den Straftaten zwischen 2011 und 2014 von 3,7 auf 7,7 Prozent mehr als verdoppelt. Als Tatverdächtige ermittelte die Polizei im vergangenen Jahr 38 119 Asylbewerber gegenüber 15 932 drei Jahre zuvor. Einen starken Anstieg gab es bei Körperverletzungen (von 3863 auf 9655 Fälle) und bei den Ladendiebstählen (von 4974 auf 13 894).”

      • Traurig, oder?
        Da wollte das Mädel wohl keine aufmunternden, erklärenden Worte, sondern nur die Verbreitung der “Wahrheiten”.
        Armes Mädchen… oder waren’s die Einflüsse der Eltern?

        • Steht doch im Text, Mama hat genug Zeit aus dem Fenster zu gaffen und beobachtet drei “verdächtige” Männer aus einem “Verdächtigen” Fahrzeug. Wer weiß wer diesen kranken Brief wirklich geschrieben hat.

  8. nun wer mißtrauisch ist, kann ja wenigstens wachsam sein. Denn die Polizei in diesem unseren Land ist kaputtgespart, die werden weder in dem Dorf der kleinen Leserbriefschreiberin noch in meinem Dorf vermehrt Streife fahren. Wer glaubt, daß von den Flüchtlingsheimen nur Böses kommt, möge sich mit Fernglas und Handy bewaffnet auf die Lauer legen…

  9. Ich verstehe die besorgte Bürgerin, ich verstehe auch Ihre Antwort darauf. Gewiß ist eine gewisse Unsicherheit in der Bevölkerung vorhanden, aber die besteht auf beiden Seiten: Bei den Flüchtlingen und den Einwohnern. Die Frage ist: Warum ? Zum einen die Sprache ! Keiner versteht den anderen und kann sich äußern ! Zum anderen der kulturelle Unterschied. Den Menschen aus wird keine Möglichkeit gegeben, sich dem neuen Umfeld anzupassen. Ihnen wird gleich mit Distanz begegnet, ja sogar mit Feindschaft, weil Probleme, die wir schon lange mit einigen sogenannten “Gastarbeitern” haben, die auf diese Flüchtlinge projeziert werden.
    Natürlich befinden sich innerhalb der Flüchtlinge auch Wirtschaftskriminelle und andere nicht Anpassungswillige, aber deshalb dürfen die Menschen nicht alle über einen Haufen werfen, wie man im Volksmund immer sagt. Als erstes sollten wir festhalten: Es sind Menschen wie “Du” und “Ich”. Es sind Menschen, die vor einem Elend flüchten, sei es Krieg oder Hunger.

  10. Liebe Frau Mohr,

    eine drittklassige Journalistin, die ihre junge Seele an die Springerpresse verkauft hat, welche ja selbst in hohem Maße mit dafür verantwortlich ist, dass die Angst vor Flüchtlingen so groß ist. Eine unbedeutende Blogschreiberin, die sonst nur über verwischte Schminke, zerbrochene Liebe und betrunkene Schlagersänger schreibt, kann wohl kaum wirklich Interesse an dem Schicksal von Flüchtlingen haben? Es sei denn es bringt irgendwie Kohle und Fame.
    Und hat es gewirkt?
    Schön, sollte es auch. Denn das ist ein Vorurteil, das Menschen gegenüber der Presse, insbesonderer gegnüber Ihrem Arbeitgeber, haben. Sie sollten sich mit diesem sozialpsychologischen Begriff des Vorurteils mal etwas näher beschäftigen statt die Angst eines jungen Mädchens ins Lächerliche zu ziehen, um dadurch vielleicht ein bisschen mehr Traffic auf dem Blog zu bekommen (auch ein Vorurteil?)
    Ich habe mich etwas schlau gemacht und in Hesepe leben genauso viele Einwohner wie Flüchtlinge. Jeweils 2500. Die Polizei ist dort ständig im Einsatz, da es unter den Flüchtlingen zu Handgreiflichkeiten kommt. Und da sollen sich also die Bewohner keine Sorgen machen? Sie raten tatsächlich einem minderjährigen Mädchen, fremden, gerade erst hier eingetroffenenen Männern aus teilweise schwerst frauendiskriminierenden Kulturen, die sie am Bahnhof anbaggern, auf einen Kaffe einzuladen? Ganz ehrlich. Sie sollten vielleicht einfach mal selbst zunächst Ihre Heile Welt der Berliner Popper-Szene verlassen, um auch nur ansatzweise urteilen zu können.
    Was Sie können (und was sie tun) ist vorurteilen. Das tun wir alle. Vorurteile sind lebenswichtig, sonst könnten wir hier alle auf dem Planeten gar nicht existieren. Trotzdem sind Vorurteile gefährlich. Und zwar negative wie auch positive. Sie sehen die Flüchtlinge hier gerade pauschal als leidgeplagte, friedliche und freundliche Menschen, die man jederzeit auf einen Kaffe einladen kann. Soll man das nur tun, nur weil sie Flüchtlinge sind? Laden Sie eigentlich auch deutsche Männer an Bahnhöfen auf einen Kaffe ein, die Sie nach einer Heirat fragen?
    Ich wünsche mir, dass Sie sich mal ein paar Minuten die Zeit nehmen und ernsthaft drüber nachdenken, ob Sie nicht genauso vorurteilsbelastet sind. So manch ein “Gutmensch” könnte sich im Übrigen auch an Ihrem Blognamen Mohrenpost stören, der sich ja in provokanterweise an einen rassistischen Begriff anlehnt. Klar, Sie können nichts für Ihren Namen. Aber Thomas Neger und seine Handwerkerfirma auch nicht! Und selbst, falls es zufälligerweise kein Wortspiel sein sollte, die Sie ja so sehr lieben, sollten Sie doch wissen, dass es Menschen da draußen gibt, die, wenn Sie nur den Namen Ihrer Internetadresse lesen, an etwas Rassistisches denken. Im Übrigen möchte ich explizit betonen, dass ich auch sehr viele Ausländer als Freunde habe und … Sie wissen schon, die anderen Argumente halt, die man ja nun nicht mehr sagen darf, wenn man nicht rassistisch klingen will.
    Herzlichst, Ihr F.J. Wagner.

    • Diesen Kommentar habe ich von allen am Liebsten frei geschaltet. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Ich muss die ganze Kohle, die ich für diesen Post bekommen habe, für Schminke raushauen und ein neues Tutorial aufnehmen.

      • Liebe Frau Mohr,
        danke. Ich hatte tatsöchlich Sorge, Sie würden ihn nicht freischalten. Einmal mehr hat sich also ein Vorurteil nicht bewahrheitet. So geht es! Freue mich aufs Tutorial.

        Herzlichst, Ihr

        F.J. Wagner

    • Herr Wagner,
      noch ein Nachtrag meinerseits, ich habe hier “Danke” hineingeschrieben, das gilt aber nicht für Ihren ganzen Beitrag.
      Das “Danke” galt der Kontextualisierung der Situation in Bramsche. Und es galt auch dem Hinweis, dass durch Frau Mohrs Arbeit für die BILD ihre Glaubwürdigkeit leidet.
      Allerdings muß ich Ihnen sagen, dass ich Ihren Angriff ‘ad hominem’ für abscheulich halte. Es geht nicht um Frau Mohrs Schminke und auch nicht darum was für eine wievielklassige Journalistin sie sein mag.
      Frau Mohrs Beitrag fand ich nachdenkenswert und auch von einer neuen Seite her gedacht.

      • Lieber Herr Wolfram.
        Ich fände einen solchen Angriff auch abscheulich, wenn er denn aus meinem eigenen Vorurteil heraus entstanden wäre.
        Ist er aber nicht, denn ich weiß viel zu wenig über Frau Mohr, als dass ich hier so hätte urteilen können.
        Dieser “Vorwurf” sollte genau den gleichen provozierenden Effekt haben, mit dem die Autorin Ihre Leserin konfrontierte. “Liebe Janina, ich glaube Du bist eine oberflächliche und eitle Person. Ich glaube, Du machst dir ziemlich wenig Gedanken um die Welt.” Und somit auch Frau Mohr mit Ihrere eigenen Vorurteilssituation zu konfrontieren. Ich denke, sie wird schlau genug sein, das zu verstanden zu haben!
        Herzlichst, Ihr
        F.J. Wagner

        • Ahhhh…. jaja, das ist immer so eine Sache, wenn nicht klar ist auf welcher Meta-Ebene man gerade unterwegs ist. Genau so, wie Ironie im Netz einfach nicht zuverlässig funktioniert. ;-)

  11. Hallo Frau Mohr,
    in dieser sehr freundlichen und empathischen Diskussion ist soweit ich das feststellen konnte eine Fragestellung noch gar nicht aufgetaucht: weshalb hat besagte Janina aus Bramsche ausgerechnet Sie als Briefkastentante ausgesucht? Ich vermute mal sehr, dass Janina diese Mail nicht an Sie als Caroline Mohr schickte, sondern an die BILD-Zeitung richtete und Sie als “Social-Media-Redaktuerin” erboten sich eine menschlich-allzu-menschliche Antwort darauf zu verfassen.
    Und wenn das der Fall sein sollte, dann finde ich Ihre Kummerkastentantenantwort hochgradig verlogen. Denn was die BILD seit Jahr und Tag macht besteht genau darin diese allerniedrigsten und allerdümmsten Vorurteile und Ressentiments zu schüren.
    Und Ihre Blogpost ist nichts anderes, als eine Art white-washing Ihres schlechten Gewissens, denn niemand kann reinen Gewissens für die BILD-Zeitung arbeiten, niemand bleibt unbesudelt von dem Dreck, der dort gekocht wird.

    Siehe auch “Ich glaub es hackt”:http://www.wirsindhelden.de/index.html%3Fp=1069.html

    • Janina schrieb mir persönlich. Sie hat Carline Mohr geschrieben, weil sie gesehen hat, dass ich Admin der BILD-Facebookseite bin.
      Und ja, ich arbeite bei BILD. Deshalb bin ich trotzdem noch Carline Mohr. Und Carline Mohr darf auch als Carline Mohr antworten. Und Carline Mohr darf auch eine eigene Meinung haben. Wenn Sie den Text, den ich geschrieben habe sorgfältig gelesen haben, ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass es vor allem um die zerstörerische Macht von Vorurteilen geht. Sie unterstellen mir aufgrund meines Arbeitgebers, dass ich verlogen und besudelt bin. Sie kennen mich gar nicht. Lesen Sie den Text vielleicht einfach nochmal. Danke.

      • Liebe Frau Mohr,
        Sie haben vollkommen recht, ich kenne Sie nicht. Sie stellen sich hier aber vor: als Caroline Mohr, die ihre eigene Meinung hat und als BILD-Redakteurin. Das eine kann man vom anderen trennen. Diese Trennung machen Sie hier aber gerade nicht. Und in diesem Sinne tragen Sie ihren Anteil an der Vorurteils- und Verdummungsmaschine BILD. Auch wegen BILD brennen Flüchtlingsunterkünfte, auch wenn Sie sich vielleicht eine persönliche Rechtfertigung oder Umdeutung dafür zurecht gelegt haben.
        In diesem Kontext muß man aber ihren – sehr wohl ganz gut gedachten und auch gut geschriebenen Text – lesen.
        Sie selber versuchen ein guter Mensch zu sein – wer will das nicht. Vorurteilsfrei und tolerant.
        Ihre Glaubwürdigkeit wird immer unter ihrem Brotberuf leiden, denn Sie machen sich mit etwas gemein, das böse und manipulativ ist und eine außerordentlich schlechte Wirkung auf die Janinas dieses Landes hat.

        • Lieber Wolfram Gothe,
          ich stelle mich nirgendwo als Caroline Mohr vor. So heiße ich nämlich nicht. Und ich rechtfertige auch nichts. Sie wissen nicht, welchen inhaltlichen Beitrag ich tatsächlich für die „Verdummungsmaschine” leiste. Sie wären überrascht. Aber Sie haben keine Lust, zu fragen. Weil sie mich lieber blöd finden. Nun habe ich keine Lust mehr zu antworten und wir finden uns einfach gegenseitig blöd. So schnell geht das dann mit den Vorurteilen. Glückwunsch.

          • Liebe Frau Carline Mohr,
            verzeihen Sie, dass ich nicht gleich beim ersten Male Ihren Namen richtig las und ihn demnach falsch schrieb.
            Was Ihre Aufgaben bei BILD angeht, da kann ich mir keine Rechtfertigung vorstellen, bei der man in derem Sinne als weisungsgebundener Angestellter (oder auch Freelancer) tätig wird ohne als Mensch persönliche Glaubwürdigkeit einzubüßen.
            Aber be it as it may, Sie können sich das anscheinend für sich rechtfertigen, das ist ja auch Ihre Entscheidung. Aber uns Leser wird das nicht egal sein, denn wir haben unsere Erfahrungen (und eben nicht nur “Vorurteile”) mit der Bild und diesen Kontext (den Sie selber zur Verfügung stellen) denken wir mit, wenn wir Ihren Text lesen.

            Wir kommen aber völlig von Ihrem eigentlichen Text und dem damit (wahrscheinlich) verbundenen Anspruch ab.
            Auf FaceBook haben Sie ja selber zugegeben, dass Sie mit ihrem Beitrag gescheitert sind.

            Mit herzlichen Grüßen
            W. Gothe

          • Und da haben wir es doch: Sie können “es sich nicht vorstellen” und Sie haben “so Ihre Erfahrungen”. Mehr brauchen Sie nicht, um “Kontext herzustellen”. Eventuell die Definition von Vorurteil? Die positiven Antworten, die Leser zum Thema “Scheitern” schrieben, haben Sie ja dann auch gesehen.
            Herzlich, Ihre verdummte Carline Mohr

          • Frau Mohr,
            ich schrieb nicht, dass *Sie* verdummt wären.
            Im Gegenteil, ich fand Ihren Beitrag beim ersten Lesen recht gelungen. Doch dann las ich über Ihren beruflilchen Hintergrund und ich bemerkte als Leser eine “Glaubwürdigkeitslücke”.
            Sie fühlen sich aber gerade von meiner Kritik an der Glaubwürdigkeit Ihres Textes persönlich angegriffen.
            Ich griff Sie aber nicht persönlich an, sondern ich bemerkte, dass ich den Text eines Journalisten, der hauptberuflich bei der BILD arbeitet für weniger glaubwürdig halte, als andere Texte anderer Menschen.

            Nur um zu illustrieren was ich meine: wenn ein katholischer Priester einen netten Aufsatz darüber schreibt, dass man doch auch wiederverheiratete Paare zur Kommunion zulassen sollte, dann ist das löblich und gut gemeint. Es bleibt aber fundamentaler Bullshit.
            Das selbe gilt für die BILD-Zeitung.
            Versuchen Sie nicht uns und Ihnen selbst weiß zu machen, dass die BILD-Zeitung ein Hort des aufgeklärten Denkens und das Zentralorgan moralischen Gutmenschentums wäre.
            Wir können aber hier gerne einen Punkt setzen.

            PS: meinen anderen Kommentar können Sie gerne löschen, ich würde mich aber über eine Stellungnahme per Mail freuen.

  12. Stimmt, zusammen für bessere Bedingungen kämpfen ist besser als gegen Andere kämpfen. Geflüchtete die angekommen sind im Heim können ihr Schicksal nicht ändern. Janina auch nicht. Ich finde die Lösung passend: gemeinsam an den Unzufriedenheiten zu arbeiten und eine bessere Zukunft für alle schaffen! Gut, Carline Mohr!

  13. Danke, für den Versuch etwas gutes zu tun!
    Es ist immer wieder interessant und erschreckend, wie viele radikale und engstirnige Menschen es gibt, die dann auch noch unfreundlich und unverschämt ihren Senf zu irgendwas dazu geben müssen.
    Immerhin hast du versucht, jemandem die Augen zu öffnen, hat wohl leider nicht bei allen Lesern geklappt.
    Weiter so!

    Grüße Lorenzo

  14. Guten Tag Frau Mohr,
    Ich danke Ihnen für diesen tollen Artikel! Genauer dieser Dialog sollte mit dem “besorgten Bürger” geführt werden. Der Hass und die Vorurteile gegen alles fremde und unbekannte sollte aus der Welt geschaffen werden. Genau mit solchen “kleinen” Dingen kann dies getan werden. Danke für Ihre Arbeit!

  15. Da hat die Frau Mohr der jungen Frau mit einem sehr guten Brief geantwortet!
    Man merkt, dass sie Journalistin ist, so wie sie Sätze schreibt und Argumente ausformuliert.
    Intellektuell ist sie der “besorgten Bürgerin” dadurch haushoch überlegen und wurde von ihr nicht
    ohne Grund geblockt. Im besten Fall denkt sie verzögert nach …

    Eine Antwort fand ich auch noch ganz gut:
    In keinem einzigen Fall sind diese Menschen aus freien Stücken aus ihrer Heimat geflohen, sondern
    sahen sich in ihren Herkunftsländern unhaltbaren Missständen gegenüber, denen sie anders nicht zu
    begegnen wussten, als sich auf eine unsichere und belastende Reise zu begeben, die von existenziellen
    Ängsten und Feindlichkeit begleitet wird.

    Man wünscht sich mehr solcher klugen Antworten im Netz und in den Medien. Erreichen werden sie dabei
    nur diejenigen, die noch einen Rest Empathie und Reflexionsvermögen in sich tragen.

  16. Pingback: Papa sagt: „Hallo Flüchtlinge, Ihr seid willkommen!” | Mohrenpost

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