Warum ich schon immer eine große Blondine sein wollte

Kate und Alf

Kate und Alf.

Große Blondinen sind wie die langen Sommerferien. Sie sind der ferne Traum in dunklen Stunden und natürlich ständig überbucht. Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin 1,63 Meter groß und brünett. Mein Exfreund, der  Philosophielehrer, sagte manchmal: „Die einzige Frau, die mir besser gefallen könnte, wärest Du in blond“.

Ich habe ihn irgendwann verlassen. Nicht ohne ihn vorher mit seiner Arbeitsadresse bei einer fiesen Pornoseite anzumelden. Ich habe gehört, das humanistische Gymnasium im Kölner Norden bekommt bis heute den Newsletter vom Dirty Brunette Club.

Wenn ich ein kurzes Kleid ohne Absatzschuhe trage, sehe ich aus wie Alf im Dirndl. Also trage ich Pumps und eine Glanzstrumpfhose seidenfein. Außerdem ein getupftes Haarband, das meiner Frisur etwas Hepburniges verleihen soll. Es funktioniert nicht. Der Barkeeper will wissen, ob ich heute als Amy Winehouse gehe und Stoff  bräuchte. Super. Ich sehe also aus wie Alf, verkleidet als magersüchtige Cracknutte. Meine beste Freundin – langgliedrig und mit entzückenden dunkelblonden Löckchen -  steht in Ballerinas und gallefarbener Woll-Leggins neben mir. Und der Barkeeper fragt, ob sie die hübsche Schwester von Kate Moss sei. Wie ich das hasse.

Kleine Brünette sind und bleiben die Nebensaison. Die märkische Seenplatte im Oktober. Auch irgendwie schön. So für Kenner. Auf den zweiten Blick.

Ich wäre gerne mal der erste Blick. Das Klischee. Die große Blonde mit den kühlen Augen. Sexsymbol und Männertraum. Wenn ein Typ erzählt, dass seine Freundin groß und blond ist, muss er nichts hinzufügen. Große Blondine = heiß. Oder habt ihr schon mal einen Kerl mit prahlerischem Unterton sagen hören: „Meine neue Freundin ist eine kleine Brünette“!?

Ich geh mit meiner Laterne...

Ich geh mit meiner Laterne…

Ich war unlängst beim Frisör. Meine Haare sind jetzt rot. Wahrscheinlich bin ich damit im sexy-Klischee-Ranking der letzte Blick. Aber ich dachte mir: Lieber die rote Laterne, als gar kein Licht. Und vielleicht hat der Dirty Redhead Club ja auch einen Newsletter.

 

 

 

20 Gedanken zu “Warum ich schon immer eine große Blondine sein wollte

  1. Wenn ich recht erinnere, hattest Du auch mal ne blonde Phase – und ehrlich: das hat kein Mensch gebraucht! Blondinen werden, gerade von brünetten Frauen, einfach überbewertet…

  2. Hallo Carline, ich lese deine Mohrenpost so gerne du schreibst einfach toll! Zu den “Blondinen”: so viel Glück habe ich bei den Männern auch nicht. Vielleicht bin ich einfach nicht groß genug ;-). Allerdings habe ich mal gehört oder gelesen, dass Blondinen mehr zum Spaß wären und die Brünetten eher die Frau fürs Leben…

  3. Liebe Carline,
    Wenn Du wüsstest wie unrecht Du hast :-) Ein Glück stehen die meisten Männer auf kleine Frauen. Oder wenn groß, dann zumindest dünn. Ist mir persönlich ganz recht, weil ich es immer ziemlich unangenehm finde, wenn jemand auf mich steht, auf den ich nicht zurück stehe. Und das sind nun mal ungefähr 99,999999999999999% aller Männer. Also gräm Dich nicht. Die meisten Männer wollen große starke Helden sein, und das geht nun mal besser mit einer kleinen, zierlichen Frau. (Auch wenn sie’s nicht zugeben.)
    Deine 1,81m große und hellblonde Carolin

  4. Deine Geschichten sind toll. Tausendfach erkennen sich die kleinen Brünetten darin wieder, schreien auf und erheben lachend die Faust mit Dir “Jawohl!”.

    Ich dagegen stehe leise in zweiter Reihe und erkenne mich auch. Bin heimlich dankbar für Größe und Haarfarbe und bleibe lieber unauffällig still, wie meine Tochter, wenn ihr versehentlich mehr Gummibärchen als ihrem Bruder zugeteilt wurden.

    Ich sollte nicht dankbar sein, sondern missmutig darüber, allein mit gallefarbener Hose und ohne ein Wort gesagt zu haben, so weit gekommen zu sein.

    Deine Worte sind großartig, und goldblond!

  5. Wie wahr! Und auch als große Brünette ist es nicht besser. Während all jene süßen Blondinen wie die Glühwürmchen durch den Club schwirren und reihenweise Köpfe verdrehen steht man dann da wie eine aufgedunsene rießen Salzstange. Denn wenn schon groß, dann bitte möglichst mager, sonst fühlt Mann sich ja noch bedrohter. Ich vermute ja, dass Blondinen einfach weniger Dominanz ausstrahlen und durch ihre lebenslange Erfahrung des jeder-flirtet-mich-an deutlich gelassener in einen Club gehen. Natürlich kann die Aufmerksamkeit die ihnen zukommt auch nerven, aber mal ehrlich, welche Frau braucht nicht hin und wieder mal die Bestätigung, dass sie ansehnlich und toll ist. Deshalb hoffe ich einfach darauf im nächsten Leben als Glühwürmchen geboren zu werden, denn auf brünett färben geht ja so viel einfacher als andersrum, wenn man denn mal genug vom Glühen hat und dann (wie von jemand anders gesagt) aufs Heiraten und die-Frau-fürs-Leben-sein umsteigen will. :)

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